Beratungshilfen und Netzwerk-Aktivitäten bei der freiwilligen Rückkehr von Personen aus Süd-Ost-Europa (außer Kosovo) sowie Re-Integrationshilfen im Herkunftsland (vorrangig für Jugendliche und junge Erwachsene)
Gefördert mit Mitteln des Europäischen Flüchtslings Fonds (EFF)


Beschreibung des Projektes


1. Aktivitäten und Geltungsbereich

Das Projekt verfolgt das Ziel, Personen aus Ländern Süd-Ost-Europas, die, mit unterschiedlichen Aufenthaltstiteln, in der Bundesrepublik leben und eine freiwillige Rückkehr erwägen oder beabsichtigen
- zu beraten,
- bei der administrativ-technischen Rückkehr zu unterstützen,
- ihnen bei der Re-Integration in ihrem Heimatland zu helfen (administrativ-rechtlich,
wirtschaftlich, sozial)
- die gesellschaftliche Re-Integration durch Einbindung in Rückkehr-Netzwerke zu
fördern.

1.1 In der Bundesrepublik sind dazu folgende Aktivitäten geplant:
- Aktualisierung und Erweiterung der Informationssysteme zur Integration,
- Aufbau eines eigenen Informationspools „Rückkehr Süd-Ost-Europa“,
- Informations- und Arbeitsworkshops innerhalb des Caritas-Netzwerkes im
Bereich Migration,
- direkte Beratung von Personen aus Süd-Ost-Europa,
- Unterstützung der Migrationdienste sowie der Flüchtlings- und Ausländer-
Initiativen,
- Nutzen der Projekterfahrungen für die theoretische Fortschreibung von
„Re-Integration“ in der Sozialarbeit.
- in Kooperation mit betreffenden Stellen Unterstützung bei der Rückreise.
- Rechtsberatung bei der Klärung von Ansprüchen aus der Sozialversicherung.

1.2 In den Herkunftsländern erfolgt Hilfe:
- bei rechtlichen Problemen (Personenstandsänderungen, Registrierung,
Eigentum, Sozialversicherung),
- Förderung der Arbeitsaufnahme, Hilfen bei Existenzgründung, Ausbildung
- Förderung der schulischen Integration mit Hilfe lokaler Partner,
- Berufs-Orientierungs-Programme für Jugendliche und junge Erwachsene
- Sozialpädagogische Betreuung von Jugendlichen,
- Förderung von Rückkehrer-Netzwerken

Durch die enge Zusammenarbeit mit anderen Caritas-Verbänden in Europa wird die Arbeitsfähigkeit lokaler Organisationen gestärkt sowie die Legitimation von Rückkehr- und Re-Integrations-Maßnahmen innerhalb der Migrationarbeit und allgemeinen Sozialarbeit gestärkt.

2. Zielgruppen

Das Projekt bezieht sich auf Personen, die mit unterschiedlichen Aufenthaltstiteln in der Bundesrepublik aufhalten und aus folgenden Herkunftsländern kommen:
- Bosnien und Herzegowina,
- Bulgarien,
- Kroatien,
- Makedonien (FYROM),
- Rumänien
- Serbien und Montenegro (außer Kosovo)
(Da für den Kosovo noch immer eine Reihe von speziellen Programmen mit einer Vielzahl von Trägern vorhanden sind, wird diese Region ausgenommen).

Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt durch die Bereitschaft (Absicht oder erklärtes Vorhaben) zur freiwilligen Rückkehr ohne Berücksichtigung des jeweiligen rechtlichen Aufenthaltstitels. Damit sind auch ausländische Arbeitnehmer und deren Familien sowie Ausländer mit ehemaligen Beschäftigung, aber auch Personen einbezogen, die sich illegal in der Bundesrepublik aufhalten.
Die Verpflichtungen, die sich aus den Richtlinien (Seite 9, Absatz 5) ergeben, werden diesbezüglich beachtet.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen aus Re-Integrations-Programmen, insbesondere auch aus dem vom EFF geförderten Projekt zur Rückkehr
traumatisierter Personen (siehe Abschlussbericht), zeigt sich, dass eine Vielzahl von unterschiedlichen Motiven vorhanden sind, eine Rückkehr zu erwägen:
- Arbeitslosigkeit,
- Heimweh,
- familiäre Bindungen und familiäre Probleme,
- Unsicherheit über den künftigen Aufenthaltsstatus,
um nur einige zu nennen.
Zum Beispiel verfügten von den ca. 1.040.000 Personen aus den genannten Ländern, die sich Stichtag in der Bundesrepublik aufhielten, zum 31.12.2003 nur ca. 97.000 Personen über eine „Duldung“

Die nach wie vor vorhandenen Defizite in der Migrationarbeit, die Rückkehrberatung und Hilfen zur Re-Integration nicht als „gleichwertig“ zu Integrationshilfen versteht, die mangelnde Kooperation zwischen Migrationarbeit und Auslandshilfe (unter organisiertem Einbezug lokaler Partner), erschweren eine ausreichende Information und Unterstützung bei den Rückkehrwünschen.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Eindruck besteht, zehn Jahre nach Ende des Krieges im ehemaligen Jugoslawien wären die internen und externen Strukturen zur Re-Integration zusammengebrochen.

Die Gesamtzahl der potentiellen Personen, die durch das Projekt erreicht werden können, kann nicht eingeschätzt werden. Eine voraussichtliche Zahl der Projekt-Teilnehmer wird in der Mitte der Projektlaufzeit möglich sein.

3. Voraussetzungen des Antragstellers

Seit 1991 arbeit der Caritasverband für das Bistum Essen in den genannten Ländern in unterschiedlichen Rückkehr-Programmen. Am Beginn der Arbeit stand ein Projekt im Auftrag der Landesregierung Nordrhein-Westfalen für abgelehnte Asylbewerber aus Makedonien (FYROM). Der „Einstieg“ in die Re-Integrations-Problematik“ durch einen Verband der Wohlfahrtspflege führte, innerhalb der Träger von Sozialarbeit, zu einer heftigen Kontroverse, die bis heute, allerdings unter anderen Bedingungen, fortgeführt wird.
Durch eine Vielzahl von Programmen der Rückkehrförderung (Klärung von Eigentumsverhältnissen (CRPC) in Bosnien und Herzegowina), der Förderung der Arbeitsaufnahme, der Berufsintegration von Jugendlichen (Programm des Stabilitäts-Paktes), der Jugendsozialarbeit und eines kommunalen Rückkehr-Programmes (Essen) für abgelehnte Asylbewerber aus Serbien, konnte der Verband Erfahrungen gewinnen, insbesondere ein aktives Netzwerk zu lokalen Organisationen (Caritas und andere) aufbauen, das durch zwei eigenständige Projektbüros in Makedonien und Bosnien unterstützt wird.

Der Verband beteiligt sich weiterhin an einer Vielzahl von Aktivitäten im europäischen Verbund, um Kooperationen und Informationsaustausch zu forcieren.

4. Kooperationen und Netzwerke

Das Projekt verlangt eine intensive Zusammenarbeit mit bestehenden Strukturen und die Nutzung unterschiedlicher Programme.
Für die Beratungsarbeit steht vorrangig das Ziel, neben eigenen Aktivitäten der direkten Beratung und Unterstützung der Beratung innerhalb der Migrationdienste unterschiedlicher Träger (Caritas und andere) die Transparenz über bereits bestehende Möglichkeiten zu erhöhen (Kooperation mit IOM, ISO, Zentralstelle für Informationsvermittlung zur Rückkehrförderung u.a.).

Bei der Finanzierung von Projekten in den Herkunftsländern kommen die Kooperationen mit folgenden Institutionen zum tragen:
Rückkehrförderung der ZAV/CIM-Programme (für Fachkräfte),
mit Kreisen und Kommunen (für Programme nach dem Münchener, Essener und Berliner Modellen), hierzu ist ein Informationsaustausch mit dem Deutschen Städtetag beabsichtigt,
bei Definition klarer und unmittelbarer Rückkehrzahlen Programm-Mittel zur Förderung der Arbeitsaufnahme und Existenzgründung durch BAMF.

Durch diese Kooperationsformen wird zugleich die Kosteneffektivität unterschiedlicher Programme und Strukturen angehoben.

5. Methodische Konzeption

Die Diskussion im Rahmen des Zuwanderungs-Gesetzes hat den Stellenwert von Re-Integrations-Maßnahmen gestärkt und die Legitimation innerhalb der traditionellen Sozialarbeit erhöht. Allerdings muss dieser Diskurs, und auch das soll im Rahmen des Projektes erfolgen, fortgesetzt werden.

5.1. Inland

Wesentliches Instrument der Beratungsleistungen im Inland muss daher die Entwicklung eines Informations-Moduls sein, das enthält:
- fortlaufende Informationen über Motivation und Erwartungen der potentiellen
Rückkehrer,
- Berichte über die wirtschaftliche, soziale und politische Situation in den Her-
kunftsländern,
- Berichte über Möglichkeiten und Aktivitäten der lokalen Partner,
- Erfahrungsberichte aus der Beratungstätigkeit.

Hierfür wird eine eigenständige Internetpräsenz geschaffen. Um die Effektivität zu vergrößern wird angestrebt, dieses Modul mit österreichischen Partnern gemeinsam zu nutzen, damit deren lokale Kooperationspartner einbezogen werden können.

5.2. Herkunftsländern

Neben der unmittelbaren Beratung, die die erste Phase der Re-Integration erleichtern und stabilisieren soll, werden Programme zur schulischen Integration, beruflichen Orientierung und beruflichen Integration im Vordergrund stehen.
Dies wird begründet:
- da aus familiären Gründen gerade junge Personen eine freiwillige Rückkehr
beabsichtigen, sich aber über den Nutzen bisheriger Ausbildung und Berufs-
fahrung im unklaren sind,
- dieses Potential in den Herkunftsländern ohne eine Unterstützung nicht aus-
reichend erkannt wird,
- die Sorge um den weiteren schulischen Verlauf, Ausbildung und Berufschancen bei
der Entscheidung zur Rückkehr eine wesentliche Rolle spielt.

Die Einbeziehung in Formen einer sich stetig entwickelnden Jugendsozialarbeit unter den lokalen Partnern ist damit wichtigstes methodisches Instrument, das zu dem mit einer sozialpädagogischen Betreuung verbunden sein muss.
- Gruppenbildung zur sprachlichen Orientierung,
- berufspädagogische workshops,
- Patenschaften bei Ausbildungs- und Stellensuche,
- Kursprogramme, die im unmittelbaren Kontext zu einer Arbeitsaufnahme stehen.

Das heißt, das methodische Vorgehen entwickelt sich aus der Kombination sozial- und berufspädagogischer Begleitung.

6. Kosteneffektivität

Wie bereits erwähnt, ergeben sich Synergieeffekte und damit eine hinreichende Kosteneffektivität aus der Kombination unterschiedlicher Programme. Durch die Fallkonzentration, d.h. die Förderung der jeweiligen Person ist der Erfolg der Maßnahme hinreichend transparent.
Durch die massive Einbeziehung lokaler Partner werden deren Strukturen und deren innergesellschaftliche sozialpolitische Bedeutung gestärkt, so dass zugleich der Effekt der Nachhaltigkeit eintritt.


7. Innovation

Die bisherige Sozialarbeit ist im Bereich der Migration geprägt, durch unterschiedliche Integrationsansätze. In der Literatur dominieren Problemstellungen, die mit Bereitschaft und Fähigkeit der Gesellschaft auseinandersetzen, eine derartige Integration zu vollziehen. Re-Integrations-Projekte haben noch immer den Charakter einer versteckten und verharmlosenden Abschiebung.
Die enge Verbindung von Migrationdienste und Auslandshilfe, getragen durch ein fortgeschriebenes Informationsmodul, damit eine zusätzliche Vernetzung über bisher bestehende, und teilweise überholte, Systeme hinaus, eine unmittelbare, im Inland transparente Einbeziehung lokaler Partner in Herkunftsländern ist dringend notwendig und würde, bei Durchführung des Projektes, eine grundlegende Innovation darstellen.