EFF-Projekt
„Beratung von potentiellen Rückkehrern, insbesondere für Personen mit gegenwärtiger Aufenthaltsbefugnis aufgrund laufender psycho-sozialer Behandlung (und: Erstberatung abgelehnter Asylbewerber)
2004 - 2005


1. Projektergebnisse

1.1
Insgesamt konnten im Projektzeitraum 29 Personen (ohne Familienangehörige) nach einer Beratungsphase in Bosnien und Herzegowina, dem Herkunftsland, Reintegrationshilfen angeboten werden. Diese Personen verfügten über eine Duldung aufgrund festgestellter Traumatisierung, wollten aber aus unterschiedlichen Gründen nach „BuH zurückkehren. Diese Aktivitäten konnten durch ein enges Zusammenwirken von Migrationberatung und „Auslandshilfe“ effektiv gestaltet werden. Der Personenkreis stammte aus unterschiedlichen Bundesländern (siehe unten).
Hilfen für Personen/Familien, die nach Serbien zurückgekehrt sind und denen Hilfe im Rahmen eines Rückkehrprogramms der Caritas und der Stadt Essen angeboten werden konnte, bleiben hier unberücksichtigt.

1.2
Aufgrund der Etablierung und Verbreitung des Projektes erweiterte sich die Zielgruppe über den im Projekt definierten Personenkreis hinaus. Beratungsleistungen wurden erbracht für:

  • 122 Personen (ohne Familienangehörige) insgesamt,
  • 81 Personen (ohne Familienangehörige) aus BuH,
  • 32 Personen (ohne Familienangehörige) aus „Serbien und Montenegro“, hier ergab
  • sich ein organisatorischer Zusammenhang mit einem Rückkehrprogramm des Verbandes mit der „Stadt Essen“ (sowie einiger anderer Gemeinden im Umfeld) sowie aus Serbien/Kosovo,
  • 7 Personen (ohne Familien) aus BuH mit Zielland Kroatien
  • 2 Personen (ohne Familien) aus unterschiedlichen Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens mit Rückkehrwünschen trotz gesichertem Aufenthaltsstatus,
zusätzlich:
9 Personen (ohne Familien) mit Beratungswünschen in Richtung einer traditionellen Mobilitätsberatung.

1.3
Die Beratungsleistungen bei Fällen abgelehnter Asylanträge haben sich aufgrund intensivierter Netzwerkarbeit und Projektvermittlung mehr als verdoppelt und die Grenzen der Leistungsfähigkeit des Verbandes erreicht.

1.4
Das Netzwerk innerhalb des Verbandes zwischen psycho-sozialen Beratungsdiensten, der Migrationberatung und der Auslandshilfe konnte fachlich besser strukturiert werden. Das Zusammenwirken unterschiedlicher Arbeitsbereiche lies sich mit Erfolg vermitteln.

1.5
Durch die thematische Auseinandersetzung mit dem Problemfeld „Re-Integration“ konnten neue Ansätze in der psycho-sozialen und Migrationberatung entwickelt werden. Diese Ansätze sind geeignet, die Arbeit des Verbandes, nicht zuletzt im Hinblick auf die Anforderungen des Zuwanderungsgesetzes, zu beeinflussen. Somit wurde der Modellcharakter des Projektes unterstrichen.

1.6
Der fachliche und politische Diskurs zwischen den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege und Flüchtlingsinitiativen konnte intensiviert werden.


2. Konsequenzen für die Sozialarbeit (Thesen)

2.1
Das Projekt zeigt auf, dass eine ziel- und „erfolgsgerichtete“ Rückkehrberatung nur möglich ist, wenn eine enge Zusammenarbeit zwischen der Rückkehrberatung, einer eventuell notwendigen psycho-sozialen Beratung und einer „Auslandshilfe“ möglich ist. Die Beratung muss in der Lage sein, zumindest Orientierungshilfen im Herkunftsland anbieten zu können.
Die gemachten Erfahrungen während des Projektes und die damit verbundenen Kontakte haben gezeigt, dass der Kenntnisstand über die Situation in den einzelnen Ländern unzureichend ist.
Die meisten Beratungsstellen, mit denen Kontakt besteht und bestand verfügen nicht über Kenntnisse oder Kontakte zu lokalen Organisationen in den Herkunftsländern, die über die Informationsdienste der jeweiligen Dachorganisationen hinaus gehen.

2.2
Die bestehenden Programme (REAG/GARP) sind notwendig und hilfreich, reichen allein aber nicht aus. Weitere Initiativen sind notwendig, die auch einen politischen Diskurs mit Förderungsinstitutionen einschließen müssen.

2.3
Die Vernetzung von Organisationen der freien Wohlfahrtspflege und damit der Informationsstand ist unzureichend und bedarf umfassender sozialpolitischer Initiativen.

2.4
Die einseitige Orientierung der Beratungsleistungen auf den Faktor „Integration“ ist gesellschaftlich, aber auch für die Klienten negativ. Die Erfahrungen während der Projektphase zeigten, dass sich Klienten unzureichend betreut fühlen. Notwendig ist ein Paradigmenwechsel in der Sozialarbeit.

2.5
Notwendige Hilfen für abgelehnte Asylbewerber sind dringend geboten, um ein schnelles Abgleiten dieser Zielgruppe in die Illegalität zu verhindern sowie Alternativen zu den psycho-sozialen Bedingungen der Phase bis zur Rückkehr in das Herkunftsland anbieten zu können.

3. Projektverlauf

3.1 Voraussetzungen

Der Verband unterhält einen Migrationsdienst, der sich auf Hilfen und Beratung für Ausländer unterschiedlicher Nationen in der Bundesrepublik konzentriert. Die regionalisierten Ortsverbände unterhalten im Rahmen der „Besonderen Sozialberatung“ psycho-soziale Beratungsdienste, die sich auch auf die Beratung von ausländischen Personen konzentriert haben. Der Stadtverband Gelsenkirchen hat den psycho-sozialen Beratungsdienst spezialisiert, um besondere soziale Probleme von Ausländern aufgreifen zu können. Für diese Beratungsstelle, Partner im Projekt, war die Entwicklung zu einer „gleichberechtigten“ Rückkehrberatung elementares Ziel.
Das Referat „Auslandshilfe“ arbeitet seit 1990 mit unterschiedlichen Programmen in Ost- und Süd-Ost-Europa. So organisierte der Caritasverband im Bistum Essen zum Beispiel ein soziales Umfeldprogramm im Rahmen des „Re-Integrationsprogrammes für abgelehnte Asylbewerber aus Makedonien“ des Landes NRW.
Während der Projektphase begann ein Re-Integrationsprogramm für Roma aus Serbien in Kooperation mit der Stadt Essen und in Abstimmung mit der Landesregierung NRW. Der Caritasverband ist in der „Härtefallkommission“ beim Innenminister NRW vertreten.
Mit dem verbundenen „Raffaels-Werk“ kann eine umfassende Beratung in Fällen von „Weiterungswanderungen“ angeboten werden.
Im Rahmen unterschiedlicher Programme der Auslandshilfe arbeitet der Caritasverband eng mit lokalen Caritas-Organisationen in Bosnien-Herzegowina (Sarajevo, Banja Luka), Kroatien (Zagreb), Makedonien (Skopje) und Serbien und Montenegro (Belgrad, Nis) sowie mit anderen Nicht-Regierungsorganisationen zusammen. In Banja Luka und Skopje unterhält der Verband ständige Projektbüros,
Zusammen mit Mitarbeitern des Petitionsausschusses des Landtags NRW fertigte das genannte Projektbüro eine Bestandsaufnahme über die psycho-soziale Betreuung und Beratung lokaler Organisationen und Institutionen in BuH.

3.2 Projektphasen

3.2.1
Abstimmung zwischen den Projektpartnern (Bistumsebene mit den Referaten Migration und Auslandshilfe und dem Ortsverband (Psycho-soziale Beratung),
Vermittlung über das Caritasnetzwerk, lokale Netzwerke, Landesarbeitsgemeinschaft.

3.2.2
Informationen gegenüber verschiedenen Rückkehrorganisationen, Treffen in Hamburg und Freiburg, verschiedene Tagungen und Treffen zur Projektpräsentation,
Treffen der Migrationdienste

3.2.3
Erste Auswertung unterschiedlicher Beratungsebenen, Projektvermittlung auf Treffen von Ausländerämter, Härtefall-Kommission, Petitionsausschuss, verschiedene Caritas-Verbände,

3.2.4
Migrationdienste, Ausländerseelsorge, Treffen mit verschiedenen lokalen NGO in Sarajevo, IOM, Botschaft (Projektpräsentation),
Treffen mit Mitarbeitern der Caritasverbände in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Makedonien

3.2.5
Projektpräsentation bei AGEF, Treffen mit Ausländerinitiativen und Flüchtlingsorganisationen,
Arbeitstreffen „Rechtsberatung“

3.2.6
Migrationsdienst, Raffaels-Werk, Auslandshilfe und Psycho-soziale Beratungsstellen,
Diskussion des Konzeptes, Abstimmung mit Rückkehrprojekt Serbien

3.2.7
Evaluierungsgespräch Beratungsdienste

3.2.8
Evaluierungsphase Rückkehrer

3.3 Rückkehrberatung

3.3.1 Anmerkungen zur Zielgruppe

Wie bereits im Zwischenbericht angedeutet, erfolgte die ersten Kontakte zu der Zielgruppe von freiwilligen Rückkehrern direkt in Bosnien. In der Mehrzahl handelte es sich um Personen, die sich, trotz momentanen sicheren Aufenthaltstatus, im Land orientieren wollten. Die Existenz und die Adresse des Projektbüros war ihnen durch unterschiedliche Beratung bekannt geworden: Durch Beratungsstellen in Deutschland, durch die Deutsche Botschaft oder durch lokale und internationale humanitäre Organisationen in Bosnien.

Während der Projektphase hat sich die Ansprechebene verlagert. Durch verschiedene Beratungsstellen, die nun über die besonderen Dienste des Caritasverbandes und speziell das EFF-Projekt informiert waren, fand nun der „Erstkontakt“ bereits in Deutschland statt.

Regional wohnten bzw. wohnt die Mehrzahl der Beratungssuchenden in Baden Württemberg, insgesamt ergibt sich folgende Verteilung für den Projektzeitraum:

Baden Württemberg:
Bayern:

Hessen:

Rheinland Pfalz:

Nordrhein-Westfalen:

Niedersachsen:

Hamburg:

Berlin (einschließlich Meldungen bei AGEF):

Sachsen:

sonstige:

ohne Angaben des Wohnortes:

insgesamt:
31 Anfragen
8

4

2

19

7

11

17

4

4

15

122

Die Inhalte der Anfragen unterschieden sich in (nach Gewichtung):

  • Fragen nach einem möglichen Arbeitsplatz,
  • generell, Umfang der Hilfsmöglichkeiten,
  • Schulsituation für Kinder und Jugendliche,
  • Hilfen für jugendliche Familienangehörige bei Arbeitssuche und/oder Ausbildung,
  • Möglichkeiten der Unterstützung bei Wohnungswechsel,
  • Hilfen zur Existenzgründung.

Auffällig war, dass in keinem der erfassten Fälle die Frage einer potentiellen medizinischen oder psycho-sozialen Betreuung auftauchte. Fragen nach den Chancen einer medizinischen Versorgung, der Sozialversicherung bzw. den Zusatzkosten ergaben sich nur im Kontext mit Krankheitsbildern im internen Bereich (Diabetes, Nierenerkrankungen usw.), in zwei Fällen wurde nach konkreten Maßnahmen bei Schwangerschaften gefragt.

Ebenso spielte die politische Situation in den jeweiligen Herkunftsländern, potentielle Konflikte oder ähnliches keine Rolle. In den meisten Fällen stellte sich heraus, dass die Kontaktsuchenden aufgrund familiärer Bindungen ein etwaiges Bild der jeweiligen Situation hatten.
Lediglich in den Fällen, in denen nach den Chancen eines Wohnortwechsels gefragt wurde, somit meist nach Hilfen bei der Veräußerung vorhandenen und Erwerb neuen Wohnraums wurde die ethnische Zusammensetzung erkundet. Aber auch hier bestanden bereits Vorüberlegungen aufgrund familiärer Bindungen.

Die Anfragen nach generellen Einschätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung an die Mitarbeiter der „Auslandshilfe“ für die jeweiligen Ländern blieben unkonkret.

Die Erstkontakte nach Herkunftsländern:

Bosnien und Herzegowina:
Serbien:
Serbien/Kosovo:
Kroatien:
Makedonien:
81
21 (überwiegend Roma)
11 (überwiegend Roma)
7
2

Das Angebot, einer individuellen Einzel- oder Familienberatung durch den psycho-sozialen Dienst wurde nur in vier Fällen in Anspruch genommen. In allen vier Fällen handelte es sich um Personen/Familien aus NRW, die bisher das Thema „Rückkehr“ mit den sie betreuenden Stellen noch nicht besprochen haben.

Personen /Familien aus anderen Bundesländern wurden an entsprechende, nahegelegene, Stellen verwiesen, wobei auch hier der Wunsch nach einem Wechsel der Beratungsstelle vorlag.

Von besonderem Interesse ist die Erfahrung, dass die Kontaktsuchenden über das Thema „Rückkehr“ nicht mit den Organisationen sprechen wollen, von deren Seite die bisherige Betreuung erfolgte.
Personen/Familien, die relativ eindeutig, aus unterschiedlichen Gründen, zur Rückkehr bereits beim Erstkontakt entschlossen waren, lehnten weitere Beratungshilfe im Inland ab.

3.3.2 Motivation für die Rückkehr

Die Einschätzung der psycho-sozialen Beratungsstellen hinsichtlich der psychischen Verfasstheit der Zielgruppe hat sich auch im Rahmen dieses Projektes bestätigt.
Die Mehrheit der nachfragenden Personen sah sich nach wie vor unter einem erheblichen Druck über die kommende Situation in Deutschland. Dies sowohl in rechtlicher als auch in sozialer Hinsicht.

Von den 29 Personen/Familien, die in Hilfs- und Unterstützungsprogramme aufgenommen werden konnten, ergab sich folgende Motivation:

  • Unsicherheit über den Aufenthaltsstatus: 9 Personen/Familien
  • Unsicherheit über die weitere soziale und wirtschaftliche Integration: 7 Personen/Familien
  • Klar definiertes Heimweh nach dem Heimatland: 4 Familien/Personen,
  • Familiäre Rücksichten (Eltern in BiH usw.); 5 Personen/Familien,
  • Wunsch nach „Lebensabend“ in BiH: 2 Personen/Familien,
  • akute wirtschaftliche Probleme: 2 Personen/Familien.

3.3.3 Hilfen für Rückkehrer

Aufgrund der verschiedenen Programme konnten Mitgliedern aus 29 Familien folgende Hilfen angeboten werden (Mehrfachnennungen):

  • Förderung der Arbeitsaufnahme: 11 Personen,
  • Hilfen bei der Existenzgründung: 9 Personen,
  • Vermittlung mit Hilfe der „Stellenbörse“: 7 Personen,
  • Jobvermittlung (zeitlich begrenzt): 3 Personen,
  • Aufnahme in Programm zur Berufsorientierung (Kurse): 7 Personen,
  • Hilfen bei Wohnungstausch oder Veräußerung: 9 Personen

Diese Hilfeleistungen wurden durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Caritas und der AGEF gGmbH, Berlin möglich. Weiterhin konnten auf Programme der „Malteser“, der „Caritas Italiano“ (Landwirtschaft), dem CRS (Landwirtschaft) zurückgegriffen werden.

In insgesamt 9 Fällen waren Hilfen gegenüber den lokalen Behörden notwendig.

3.3.4 Intensivierung der psycho-sozialen Beratung

Die quantitative Zunahme der Beratungsleistungen aufgrund der Projektvermittlung und der damit verbunden Einbindung in unterschiedliche Netzwerke,
innerhalb des Verbandes (Migration, Auslandshilfe),
zwischen Wohlfahrtsverbänden und Initiativen (Flüchtlingshilfen, Ausländer-initiativen),
der Kooperation mit staatlichen Stellen (Härtefallkommission, Petitionsausschuss, Ausländerämter)
führten zu einer Intensivierung und teilweise Spezialisierung auf die besonderen Beratungsleistungen gegenüber:
Ausländern mit ungesicherten Bleiberecht,
abgelehnten Asylbewerbern,
Ausländern mit migrationbedingten psycho-sozialen Beeinträchtigungen.

Diese Entwicklung wurde genutzt, um die eigenen Beratungskonzepte zu überprüfen und weiter zu entwickeln.
Dies geschah durch fortlaufende Arbeitsbesprechungen mit den entsprechenden Fachdiensten,
den Austausch und die Zusammenarbeit mit klinischen Einrichtungen sowie auch durch den Diskurs mit „einseitig“ bleiberechtsorientierten Gruppen.

Das besondere Problem dabei ist, dass im Gegensatz zu der oben beschrieben Zielgruppe, also den freiwilligen Rückkehrern, zur Zeit kein weitergehendes Angebot erfolgen kann, das eine potentielle Rückkehr und folgende Reintegration erleichtert.
Von daher musste es auch, über die Beratungspraxis hinaus, eines der Projektziele sein, die bisherigen Erfahrungen in die verbandspolitische Diskussion bzw. in die Diskussion der Wohlfahrtsverbände einzubringen, um Einfluss auf migrationpolitische Entscheidungen zu nehmen, die Art der Rückkehrhilfen auszuweiten.

Die Konzentration, die durch das Projekt notwendig wurde, hat in der Auswertung sehr eindeutig belegt, dass eine psycho-soziale Beratung unzureichend ist, wenn nicht konkrete Hilfen folgen können. Teilweise bleibt eine derartige Beratung bereits in den Anfängen stecken. Dies trifft insbesondere auf die Gruppe der abgelehnten Asylbewerber zu. Neben den akuten Problemen der Betroffenen wäre ein kombiniertes Angebot von Beratung und folgender Rückkehrhilfe auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit.

3.3.5 Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der Sozialarbeit

Die vielfältigen Kontakte und organisierten Treffen mit Ausländer- und Flüchtlingsinitiativen haben erneut verdeutlicht, dass der gesellschaftliche Ansatz von Ausländer- und Migrationarbeit eindeutig aus die Frage von Bleiberecht und Integration gerichtet ist.
Der Projektansatz und die damit verbunden Aktivitäten wurden mit erheblichen Misstrauen betrachtet. Ein Symptom dafür ist, dass in keinem Fall Ausländer mit Rückkehrwünschen oder Rückkehrvorstellungen an die Caritas verwiesen wurden.
Ein weiteres Symptom ist, dass Personen, die eine freiwillige Rückkehr in Betracht ziehen, sich mehr oder weniger weigern, sich weiterhin der gewohnten Beratungsorganisationen zu bedienen.
Ist eine derartige Haltung bei Initiativen noch aufgrund der eindeutigen Klientenorientierung und gesellschaftlichen Position verständlich, wird sie, auch auf das Klienteninteresse bezogen, bei den Wohlfahrtsverbänden fragwürdig.
Tatsächlich, so die Auswertung von Fachliteratur, Stellungnahmen, Symposien u.ä., ist Sozialarbeit im den Bereichen Ausländer/Migration eindeutig auf Integrationsbemühungen ausgerichtet. Die Einbeziehung von Re-Integrations-Bemühungen („gut beraten – abgeschoben“) wird abgelehnt, teilweise sogar politisch extrem negativ bewertet.
Die rechtliche Situation wird dabei entweder zunächst ignoriert, als störende Größe empfunden oder in der Konsequenz nicht als Beratungsinhalt wahrgenommen.
Das heißt: Faktisch werden Klienten nicht auf einen negativen Ausgang von Verfahren über Asyl und Bleiberecht vorbereitet.
Diese Situation schafft eine erhebliche soziale und gesellschaftliche Unverträglichkeit, mehr aber noch: sie schadet erheblich den Betroffenen, die sich letztlich doch einer Rückkehr aussetzen müssen.

Die Folgediskussion um das Zuwanderungsgesetz und die organisatorische und strukturelle Umsetzung der Inhalte, die Integration und Re-Integration festschreiben, führt zwar zu Aktivitäten bei den Verbänden, zumal sie mit staatlichen Zuwendungen verbunden sind, die in der gegenwärtigen Situation besonders attraktiv erscheinen, derartige Aktivitäten müssen aber, zumindest für die Einstiegsphase, unterentwickelt bleiben, wenn sie nicht mit einem Wechsel in der Vor- bzw. Grundeinstellung (Paradigma) in der Sozialarbeit einhergehen.

4. Vermittlung

Das Berichte über das Projekt wurden über die Informationsdienste der Caritas verbreitet, die Ergebnisse werden zur Zeit ins Internet der Verbandes gestellt.

Weiterhin konnte das Projekt bei einer Vielzahl von Veranstaltungen, an denen Projektmitarbeiter dienstlich teilnahmen, präsentiert werden.

Die Projektergebnisse wurden auf zwei Veranstaltungen des Verbandes speziell vorgestellt und diskutiert.

In Kooperation mit der sozialen Organisation „Mirna Luka“ wurden die Hilfen in Bosnien ausgewertet.

Zur Zeit wird eine wissenschaftliche Dokumentation zu den Projektergebnissen erstellt, ein Fachartikel befindet sich in Vorbereitung.