| SOZIALES
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Juli - August 2010 --------
Armut
betrifft in BiH eine Million Menschen
Die Zahl derer,
für die Hunger ein Bestandteil ihres Lebensgefühls ist, wächst in Bosnien
& Herzegowina - in diesem Jahr um ganze 20 % gegenüber 2009! Mit
einer Mahlzeit pro Tag in der Armenküche müssen ungefähr 20.000 Menschen
überleben, und es werden ihrer immer mehr. Von 3,5 Millionen Einwohnern
von BiH ist nach letzten Analysen rund eine Million als arm einzustufen.
Laut Weltbank und humanitären Organisationen sind BiH und Albanien in
der Armut führend...
Eine Million, das sind 18,9 % der Bevölkerung von Bosnien. Unter der
generellen Armutsgrenze leben nach Weltbank-Definition Personen mit
einem monatlichen Einkommen von 238 KM (knapp 140 Euro); darunter gibt
es aber noch solche, die sich mit einem Einkommen von bis zu 83,6 KM
(ca. 42 Euro) in extremer Armut befinden. Zum Vergleich: Die durchschnittlichen
Ausgaben eines Haushalts betragen pro Monat 1364 bis 1650 KM.
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Januar 2010 --------
Deutsche
Donation befördert "Mahlzeit der Liebe"
Dank dem Banjalukaner
Büro der Deutschen Botschaft ist die örtliche Bürgervereinigung "Mozaik
prijateljstva" (Mosaik der Freundschaft) zu einem Kombiwagen gekommen,
der für die Auslieferung von Essen an sozial bedürftige Familien bestimmt
ist. Milan Gligoric, der Vorsitzende der Vereinigung: "Jeden Sonntag
organisieren wir einen 'Obrok ljubavi', eine 'Mahlzeit der Liebe' für
Bedürftige. Bis jetzt mussten wir das mit Privatautos oder per Bus machen.
Es sind ungefähr 150 alte oder kranke Personen, die darauf warten, dass
wir ihnen eine Mahlzeit bringen."
"Es ist sehr wichtig, eine humanitäre Leistung zu erkennen, und es ist
schön, solche Vereinigungen unterstützen zu können", sagte Bruno Brommer,
Chef des Banjalukaner Büros der Deutschen Botschaft in BiH.
"In Deutschland rangiert der Bereich der NGO’s sehr hoch",
fügt Dr. Hans Jürgen Möller - von Banja Luka aus aktiver Experte für
Wirtschaft und Sozialarbeit vom Zentrum für internationale Migrationen
(CIM) - hinzu: "Ohne NGO's, die den Bürgern hilfreich sind und
die auf gesellschaftliche Mängel hinweisen, ist eine stabile Gesellschaft
undenkbar. In BiH besteht leider das Problem, dass zu wenige Leute sich
in die Arbeit des NGO-Sektors einklinken."
Die Armut
weitet sich aus
Es wird immer
trister - die Zahl der Armen in BiH ist im Steigen begriffen: In diesem
Jahr werden es um 2 % mehr sein als im Jahr 2007 - damals waren es rund
640.000 Personen, die kaum überleben konnten. Genaue Angaben gibt es
aber nicht, weil auch keine statistischen Angaben über die Bevölkerungszahl
vorliegen. Eine Volkszählung ist nämlich noch immer nicht durchgeführt
worden. Es sind die Weltbank und die Direktion für wirtschaftliche Planung,
die hier ihre Schätzungen bezüglich Ausweitung der Armut und des Rückgangs
der Wirtschaft darlegen. Zur Kategorie der Armen werden übrigens jene
gezählt, die monatlich etwa 56 Mark (knapp 28 Euro) zum Leben haben...
Viel Geld werde für Soziales ausgegeben, so der Bericht, doch lande
dieses Geld meistens bei denen, die keineswegs arm sind. Als Maßnahmen
werden Verbesserungen des für Investoren unattraktiven, weil komplizierten
Geschäftsambientes sowie Sozialreformen und Einführung eines Vermögenszensus
dringend gefordert.
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Juli 2009 --------
Kostenlose
Rechtshilfe für Bedürftige
Das Justizministerium der bosnischen Entität "Republika Srpska"
(RS) hat in Banja Luka ein Zentrum für kostenlose Rechtshilfe für sozialbedürftige
Bürger der RS eröffnet. Es wird, wenn es einmal voll in Betrieb ist,
mit weiteren Büros in Bijeljina, Ost-Sarajevo und Doboj rund 30 Angestellte
haben; die Ausschreibungen dafür sind im Gang.
Das Sozialschutzsystem ist selbst invalid
"Von den gesamten Sozialschutzmitteln gehen an das ärmste Fünftel
der Bevölkerung 18 Prozent, an das reichste Fünftel der Bevölkerung
jedoch 27 Prozent. Ein solches System hat auf die Linderung der Armut
überhaupt keinen Einfluss", sagte ®arko Papic, Direktor des Unabhängigen
Büros für humanitäre Fragen. "Die Reichen bekommen das Geld aus
den Mitteln, die für den Sozialschutz vorgesehen sind, denn das ganze
System basiert auf dem Recht, nicht auf den wirklichen Bedürfnissen.
Zum Beispiel hat jemand, auch wenn er Immobilien im Wert von 100.000
Mark (KM) und ein Einkommen von 200.000 Mark hat, Anspruch auf finanzielle
Unterstützung, wenn es dem Grad seiner Invalidität entspricht."
Papic nennt noch andere Beispiele: Die Militär-Kriegsinvaliden sind
in 10 Kategorien unterteilt; jene mit einer 20prozentigen Invalidität
bekommen Geld, obwohl sie bei diesem Grad noch arbeitsfähig sind. Es
gibt viele solcher Personen mit einem niedrigen Grad an Invalidität,
und sie bekommen jeder - wenig - Geld, sodass für die 100prozentigen
Invaliden bei weitem nicht .so viel Geld übrig bleibt, wie sie tatsächlich
bräuchten. Außerdem ist der Status von Zivilinvaliden völlig verschieden
von dem der Militär-Kriegsinvaliden - im Widerspruch zu allen EU-Normen,
denen zufolge beide Gruppen gleichberechtigt sein müssen. Gar nicht
zu reden von der "Extra-Geschichte der Invaliden-Registrierung",
so Papic, "viele Leute sind zu ihrem Recht auf finanzielle Unterstützung
auf alle möglichen und unmöglichen Weisen gekommen".
Das Sozialschutzsystem sei, kurz gesagt, ineffizient: Es kostet viel
Geld, und das Ergebnis ist dürftig - es bringt zwar, wie es Ende 2008
in der bosnischen Entität "Föderation" passierte, ein Budget
zum Zerplatzen, lindert aber die Armut nicht.
"Dieses Land ist völlig an die Reichen angepasst worden"
Als paradox
bezeichnet es Aleksa Milojevic, Direktor des Instituts für gesellschaftliche
und wirtschaftliche Studien, dass das arme Land Bosnien & Herzegowina
einen überdurchschnittlich hohen Anteil seines Bruttosozialprodukts
für Sozialleistungen ausgibt, für die Ärmsten in der Bevölkerung jedoch
am wenigsten tut: "Das ist schrecklich, dieses Land ist völlig an die
Reichen angepasst worden. Wir haben die niedrigsten Steuern, aber keine
progressiven Steuersätze, wir sind das einzige Land, in dem der gleiche
Mehrwertsteuersatz für Brot, Milch und Luxusprodukte gilt."
BiH sei auch eines der wenigen Länder ohne eine Sozialcharta für seine
Bevölkerung, damit fehle dem Land das richtige Kriterium, wer wie viel
von der Sozialhilfe erhalten kann. "Das passiert absichtlich", so Milojevic,
"die Politiker interessieren sich nicht für soziale Kategorien, sondern
nur für die Wähler vor den Wahlen. Wenn daher Kämpfer aus dem Krieg
etwas bekommen, dann bekommen es alle Kämpfer, ungeachtet ihrer wahren
sozialen Situation. Und deswegen haben wir den Kollaps erlebt."
Nach einem Bericht der Weltbank ist BiH nach Kroatien das europäische
Land mit den höchsten Ausgaben für die verschiedenen Sozialkategorien
(4 Prozent des Bruttosozialprodukts) - es liegt aber auch an der Spitze,
was Nicht-Leistungen für die Ärmsten der Bevölkerung betrifft.
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Juni 2009 --------
Sozialschutz
muss reformiert werden
In Bosnien & Herzegowina "ist eine wesentliche Reform des Sozialschutzsystems
nötig", sagt Vesna Vukmanic von der NGO "Initiative und zivile Aktion"
(ICVA): "Diese Reform soll auf dem Bedarf der Bürger nach sozialer Hilfe
aufgebaut sein, nicht nach der Zugehörigkeit zu bestimmten Sozialkategorien;
sie soll von aktiver Beschäftigungspolitik und einer Reform des Bildungssystems
begleitet sein". Au der Konferenz "Herausforderungen bei der Umsetzung
der europäischen Sozialcharta in BiH" in Sarajevo wurde festgestellt,
dass Gesetze und Praxis in BiH mit den Prinzipien der Europäischen Sozialcharta
"nicht übereinstimmen" und daher Änderungen notwendig seien.
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Mai 2009 --------
Behörden
haben keine Lust, etwas gegen die Armut zu tun
Eine Million
Menschen in BiH ist als arm zu bezeichnen, und die Lage verschlechtert
sich noch, weil die Zahl der Arbeitslosen bis Ende des Jahres noch steigen
wird. Allein in den Armenküchen der humanitären Organisation Merhamet
werden täglich 10.550 BiH-Bürger verköstigt, 3500 Personen stehen auf
der Warteliste. Besonders Kinder sind von der Armut bedroht. In der
bosnischen Entität "Republika Srpska" haben 150 Kinder die
Schule abgebrochen, weil ihre Eltern es sich nicht mehr leisten können.
"Die Behörden sind unfähig und haben keine Lust, sich mit diesem
Problem zu befassen", sagte Hajrudin ©ahic, der den Koordinationsausschuss
der humanitär-karitativen Organisationen in BiH leitet, auf einer internationalen
Konferenz über Armutsbekämpfung in Sarajevo.
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April 2009 --------
Minen
gefährden 900.000 Menschen in Bosnien
Das Leben
von 900.000 BiH-Einwohnern ist noch immer von Minen bedroht, die sich
auf 3,2 % des gesamten Territoriums befinden. Seit dem Jahr 1996 sind
1667 Menschen von Minen getötet worden; darunter 94 Minenräumer, verlautet
aus den Ministerium für Zivilangelegenheiten in Sarajevo.
Die Europäische Kommission gibt seit 1996 viel Geld für die Minenräumung
in Bosnien aus: 23 Millionen Euro sind bisher, im Rahmen der Hilfsprogramme
OBNOVA und KARDS und des Programms zur Vernichtung von Anti-Infanterie-Minen,
in die Unterstützung von Minenräumungsaktionen und in die Stärkung und
Nachhaltigkeit der einschlägigen Kapazitäten, einschließlich Anschaffung
der nötigen technischen Ausstattung, geflossen.
Für
ein Visum muss der Bosnier in die Knie gehen
"Ich fühle
mich als Bürger zweiter Klasse", sagt eine Bosnierin, die für die Einreise
in ein EU-Land ein Visum braucht und damit beschämende Erfahrungen gemacht
hat: "Es gibt Botschaften, die nicht erlauben, dass die Antragsteller
ihr Gebäude betreten. Die Formulare werden auf der Straße ausgeteilt,
egal bei welchem Wetter. Dann müssen die Leute sich hinhocken und die
Formulare auf den Knien ausfüllen. Das ist eine Schande, wir sind kein
EU-Mitglied, aber wir gehören doch zu Europa!"
Die Botschaften der Schweiz und von Tschechien gehören zu jenen, die
die Antragsteller ihre Formulare auf der Straße ausfüllen lassen, und
auch die deutsche und die österreichische Botschaft lässt die Leute
draußen auf dem Trottoir warten, damit sie erfahren, ob ihnen das Visum
bewilligt wurde.
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Januar 2007 --------
Drei
Viertel der Bevölkerung kommen nicht an Arzneimittel heran
In Bosnien & Herzegowina verzichten rund 77 % der Bevölkerung auf
eine medizinische Behandlung - weil sie die nötigen Arzneimittel nicht
kaufen können! Und 14 % der Menschen haben keine Möglichkeit, in der
nächstgelegenen Gesundheitsambulanz eine ärztliche Behandlung zu erhalten,
wenn ihr Leben in Gefahr ist! Von den Kindern werden 50,4 % nicht regelmäßig
geimpft! Diese Angaben macht das Institut für Gesundheitsfürsorge in
BiH, das in den Jahren 2000 bis 2006 die diesbezügliche Situation im
Land erforscht hat. Die Befragungen wurden in 38 Gemeinden in 6651 repräsentativ
ausgewählten Familien durchgeführt; Ziel war es, den aktuellen Stand
der Menschenrechte in Bezug auf Leben und Gesundheit der BiH-Bürger
- mit besonderem Akzent auf umgesiedelten Personen und Flüchtlingen
- zu eruieren.
Es sei alarmierend, so steht in dem Bericht, dass 36 % der Befragten
der Meinung sind, das Recht auf Gesundheitsfürsorge sei ihnen praktisch
unmöglich; dass 40,6 Prozent ihr Recht auf Beschäftigung nicht verwirklichen
können; dass 77 % der Schwangeren keine Möglichkeit zu regelmäßiger
und kostenloser Kontrolle haben.
Blinde bekommen ganze 41 Mark Invalidenrente
Die meisten Mitglieder des Blindenverbandes der bosnischen Entität "Repubika
Srpska" (RS) leben - mehr oder weniger - von 41 Mark (KM) Invalidenrente;
das ist noch weniger als ein Zehntel des allernötigsten Minimums. Verbandsvorsitzender
Branko Suziæ setzt seine Hoffnungen in das für heuer erwartete neue
Gesetz über Sozialfürsorge: "Dieses Gesetz soll unser Recht auf
Sozialfürsorge, auf Zuschüsse für fremde Pflege und Hilfe, auf eine
höhere Invalidenrente u.a. in die Praxis umsetzen. Auf unserer Prioritätenliste
steht auch die Beschäftigung unserer Mitglieder, in Zusammenarbeit mit
dem Arbeitsamt der RS. Wichtig ist uns auch der Beschluss der Regierung
über die Einrichtung einer Bibliothek für blinde und sehschwache Personen."
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