POLITIK
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Juni 2008 --------
Generalkonsulat
BiH in Bonn geschlossen
Mit
31. Mai 2008 ist das bosnische Generalkonsulat in Bonn aufgelöst worden.
Das Personal ist noch geblieben, um administrative Angelegenheiten zu
erledigen.
Ohne Visum in EU-Ländern - maximal 90 Tage
Wenn - irgendwann
in der Zukunft - BiH-Bürger ohne Visum in EU-Länder reisen können, dann
dürfen sie sich dort maximal 90 Tag aufhalten. Die Europäische Kommission
hat eine Liste von Bedingungen aufgestellt, die erfüllt werden müssen,
damit die Visumspflicht abgeschafft wird:
Einführung biometrischer Reisepässe, sichere persönliche/Reise-Dokumente,
Grenzschutz, Durchführung des Gesetzes über Aufenthalt und Bewegung
von Ausländern in BiH, Migrationskontrolle und Bekämpfung aller Arten
der organisierten Kriminalität. Besondere Aufmerksamkeit widmet die
Kommission dem Abkommen über gegenseitige Auslieferung von Personen,
die sich illegal in BiH bzw. in EU-Ländern aufhalten. Man will verhindern,
dass BiH-Bürger nach Abschaffung der Visumspflicht illegal in EU-Länder
emigrieren.
Abkommen zur Assoziierung und Stabilisierung ist unterzeichnet
Die Vertreter
von BiH und der EU haben dieses Abkommen, das ein erstes vertragliches
Verhältnis zwischen beiden Seiten darstellt, unterschrieben; es muss
allerdings noch vom BiH-Parlament und von den Parlamenten aller EU-Länder
ratifiziert werden. Bis dahin (vermutlich noch zwei Jahre) gilt - seit
1. Juli - das „Vorläufige Abkommen“.
Eine Zollfreizone wird in zwei parallelen Schritten hergestellt: Abschaffung
des Zolls für industrielle Produkte aus BiH in die EU und umgekehrt;
sowie stufenweise Abschaffung von Zoll und Steuer, zum Schutz von rund
4000 industriellen Produkten aus BiH. Für Import und Export von landwirtschaftlichen
Produkten werden eigene Arrangements gelten.
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Mai 2008 --------
Zentren
für Ausländer, die aus BiH abgeschoben werden sollen
Für Ausländer, die aus BiH abgeschoben werden sollen, ist in Sarajevo
ein erstes "Immigrationszentrum" eröffnet worden, mit einer Kapazität
für 45 Personen. Demnächst beginnt man mit dem Bau eines zweiten solchen
"Zentrums", finanziert von der Europäischen Kommission (1 Million Euro)
und dem Staat BiH (250.000 Euro), mit einer Kapazität für 80 Personen.
Laut Direktor des Dienstes für Ausländerangelegenheiten sind diese beiden
"Zentren" ausreichend; Ausländer, die aus BiH abgeschoben werden sollen,
können dort bis zu sechs Monate (bei Bedarf noch länger) untergebracht
werden. Im Vorjahr sind rund tausend Ausländer aus BiH abgeschoben worden.
US-Botschafter bei Bischof Komarica
US-Botschafter Charles English hat mit Franjo Komarica, dem Bischof
der Diözese Banja Luka, über die Lage der Kroaten in der bosnischen
Entität "Republika Srpska" (RS) und besonders der Rückkehrer gesprochen.
"Es ging um die Bemühungen des Bischofs, mit den Behörden der RS und
mit den Vertretern der anderen religiösen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten.
Ich werde auch mit anderen Vertretern der internationalen Gemeinschaft
über eine wirksame Hilfe für kroatische Rückkehrer sprechen", so der
US-Botschafter. Bischof Komarica wies ihm gegenüber auf mehrere Beispiele
von Behinderung der Rückkehr durch einheimische und internationale Institutionen
hin, betonte aber, dass RS-Premierminister Dodik neuerdings Bereitschaft
zeige, die Rückkehr der Kroaten in die RS zu fördern.
Auch Schweiz genehmigt Visa-Erleichterungen
Im Einklang mit dem entsprechenden Abkommen zwischen BiH und der Europäischen
Kommission hat nun auch die Schweiz ein Abkommen mit BiH über Visa-Erleichterungen
und über die Abschiebung unerwünschter Personen paraphiert.
Dodik redet noch immer von Abspaltung
Er sei sicher, dass die bosnische Entität "Republika Srpska" (RS) auch
in Zukunft existieren werde - nicht aber, ob auch BiH dann noch existiert,
sagte Milorad Dodik, Premierminister der RS, in einem Interview für
"Radio Deutsche Welle". "Es ist eine Realität, dass die RS nicht strittig
ist und anerkannt wird. Wir haben Geduld, um die Frustrationen der Leute
aus Sarajevo noch eine Zeitlang zu dulden. Man kann aber ein gemeinsames
Land nicht mit Leuten aufbauen, die jeden Morgen sagen: Sie sind diejenigen,
die verschwinden sollen." Die RS schätze das Abkommen von Dayton, doch
werde diesesAbkommen von der Internationalen Gemeinschaft gewaltsam
ruiniert, und vieles sei in BiH - unter vorgeblicher Einwilligung -
aufgezwungen worden, das gar nicht funktioniert, sagte Dodik.
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April 2008 --------
Bundestag-Freundschaft
mit BiH
"Deutschland
wird den Weg von Bosnien & Herzegowina zur EU weiterhin unterstützen",
versicherten bei einem Besuch in Sarajevo Mitglieder des Deutschen Bundestags,
die eine parlamentarische Gruppe namens "Freundschaft mit BiH" gebildet
haben. Rainer Stinner, Leiter dieser Gruppe und auch der Delegation:
"Der Bundestag widmet BiH besondere Aufmerksamkeit, der Beweis dafür
ist die Gründung dieser Freundschaftsgruppe. Von 610 Bundestagsabgeordneten
kennen vierzig die Region sehr gut und haben enge Verbindungen zu BiH."
Dazu Haris Silajd¾iæ, Vorsitzender des BiH-Präsidiums: "Ihr Besuch freut
mich, denn unser Land steht vor großen Aufgaben, und wir können sie
leichter erfüllen, wenn unsere Freunde uns helfen."
OSZE-Mission weiterhin notwendig
Die OSZE-Mission
in BiH wird fortgesetzt. Ihr Chef, Douglas Davidson, nennt in seinem
Bericht an den OSZE-Rat in Wien die Förderung der Demokratieentwicklung,
der Medienfreiheit, einer unabhängigen Justiz und Zivilgesellschaft
als Ziele, "die allerdings nicht leicht zu erreichen sind... Die Teilung
der BiH-Gesellschaft spiegelt sich auch in den Medien wider, es gibt
die Tendenz, dass Medienhäuser das Interesse einer nationalen Gruppe
oder einer politischen Partei vertreten."
Bischof Komarica zur Frage der Rückkehrer
"Allgemein
verbessert sich die Situation in BiH von Jahr zu Jahr", sagt Franjo
Komarica, Bischof der Diözese Banja Luka in der bosnischen Entität "Republika
Srpska" (RS), "aber es gibt einfach nicht genug politischen Willen und
eine geeignete Strategie, um kroatischen Rückkehrern ihren Weg zurück
an den Geburtsort in BiH, insbesondere in der RS, zu ermöglichen. Die
große Mehrheit der Kroaten - wie auch unserer Nachbarn - ist apolitisch.
Sie erwarten von den offiziellen politischen und staatlichen Vertretern,
sie bei der Rückkehr und beim Aufbau eines sicheren, menschenwürdigen
Lebens hier zu führen. Das ist eine legitime Erwartung, aber leider
wird sie meistens enttäuscht. Es ist traurig, wenn man recht- und kraftlose
Menschen sieht, die von den politischen Mächtigen wie gefühllose, unbedeutende
Nummern behandelt werden."
Die Hauptprobleme bei einer Rückkehr sind materiell, sagt Komarica,
"Gott sei Dank sind die psychologischen Barrieren nicht mehr primär,
und auch die Sicherheit von potentiellen Rückkehrern ist nicht mehr
in Gefahr."
Serbische Flüchtlinge aus Kroatien
Nach jüngsten
Schätzungen leben in der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS)
9008 Flüchtlinge aus Kroatien (2858 Familien). Es handelt sich um Serben,
die seinerzeit aus Kroatien geflohen sind. Die meisten von ihnen werden
nun den Flüchtlingsstatus verlieren, weil sie BiH-Staatsbürger geworden
sind. Es sei aber unstreitig, verlautet aus dem zuständigen RS-Ministerium,
dass die Mehrheit der Betroffenen ihr Vermögen, ihre Wohn- und Arbeitsrechte
in Kroatien hatten, und diese Rechte sollen geschützt werden. Kroatien
hat aber die zur Lösung der Frage der Flüchtlinge in der Region entworfene
"Mappe des Weges" bisher nicht unterschrieben, denn es stellt sich gegen
die Wohnrechte der aus Kroatien geflüchteten Serben. In dieser etwas
komplizierten Situation ist die Lage der Flüchtlinge in der RS nun,
da sie nicht mehr den Status "Flüchtling" haben werden, vergleichsweise
besser, weil sie in der RS nicht mehr "geräumt" werden können - denn
die Vollstreckung von Gerichtsbeschlüssen in der RS wird gestoppt, bis
Kroatien solche Beschlüsse samt ihren Folgen anerkennt.
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März 2008 --------
EU erhöht Hilfe für BiH
Die Europäische Kommission schlägt vor: Etwas mehr Tempo bei der Einführung der Visumfreiheit für BiH-Bürger, höhere Ausgaben für Stipendien, Hilfsprogramme, regionale Zusammenarbeit und vorbeugende Maßnahmen im Naturkatastrophenschutz. Diese Vorschläge wurden an den EU-Rat weitergeleitet und präsentiert - in Brüssel von Olli Rehn (Kommissar für EU-Erweiterung), in Sarajevo von Dimitris Kurkulas (Chef der Delegation der Europäischen Kommission in BiH). Laut Kurkulas erhält Bosnien & Herzegowina in diesem Jahr rund 62 Millionen Euro an Hilfe; im nächsten Jahr sollen es 74 Millionen sein, und im Jahr 2010 dann 106 Millionen. Die politische Botschaft dieser EU-Maßnahmen: Die Integration von BiH und aller anderen Länder des Westbalkans wird nach Kräften unterstützt.
USA bemängeln den Stand der Menschenrechte in BiH
Das US-State-Department stellt BiH im jüngsten Jahresbericht hinsichtlich des Standes der Menschenrechte kein besonders gutes Zeugnis aus, trotz unbestreitbarer Fortschritte im Laufe des letzten Jahres. Es gebe weiterhin Übergriffe der Polizei, die Gefängnisse seien überfüllt, Journalisten würden malträtiert und eingeschüchtert. Besorgt zeigt man sich in Washington über die Diskriminierung von Frauen, von ethnischen und religiösen Minderheiten und von Invaliden. Als Probleme werden auch die Behinderung der Rückkehr von Flüchtlingen, der Menschenhandel und die Beschränkungen der Beschäfigungsrechte genannt; die politischen Parteien hätten in politisch delikaten Fällen Einfluss auf die Justiz, und viele mutmaßliche Kriegsverbrecher seien ungestraft geblieben.
Schlusslicht BiH - dank seiner Politiker
Bosnien und Herzegowina entferne sich derzeit von der EU mehr als es ihr näher komme, stellt die deutsche Bertelsmann-Stiftung in einer Untersuchung der Demokratie-Qualität, der Marktwirtschaft und der politischen Verwaltung in 125 Transitländern fest. Unter den Ländern Südosteuropas nimmt BiH laut dieser Analyse den letzten Platz ein, was Demokratie und Wirtschaftsmarkt betrifft, und auch die Arbeitsleistung der politischen Führungsschicht sei hier am miserabelsten.Die gescheiterte Verfassungsreform (2006) führt die Liste der politischen Schwachpunkte des Landes an, samt den damit vertanen Chancen zur dringend nötigen Rationalisierung der Staatsstruktur. Die führenden Politiker engagierten sich nicht genug für Reformen und engere Bindungen an die EU. Umgekehrt habe die internationale Gemeinschaft nicht genug Vertrauen in die Fähigkeit der BiH-Institutionen, allein die Stabilität ihres Landes zu sichern - daher die Entscheidung, das Büro des Hohen Repräsentanten in BiH bis auf weiteres nicht zu schließen. Eine Mehrheit (60 %) der BiH-Bürger wolle die Integration in die EU, die politische Führung sollte daher sofort konkrete Schritte dazu setzen.
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Januar 2008 --------
OHR-Team gegen organisierte Kriminalität und Korruption
Das OHR - das Büro des höchsten Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft in BiH - will mit einem eigenen Spezialteam wirksam zur Bekämpfung von organisierter Kriminalität und Korruption beitragen. Hauptsächlich sollen Verbindungen zwischen Politikern und den kriminellen Kreisen, inklusive der Kriegsverbrecher, die sich versteckt halten, aufgedeckt werden. Das Team nimmt seine Arbeit im April auf; es wird eng mit einheimischen und internationalen Behörden zusammenarbeiten und deren Arbeit beobachten und analysieren, selbst aber nicht aktiv Ermittlungen führen.
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Dezember 2007 --------
Neue
Strategie soll Rückkehr fördern
Die staatliche
Strategie zur Durchführung von Annex 7 des Dayton-Abkommens - betreffend
die Rückkehr aller Flüchtlinge und umgesiedelten Personen in ihre Vorkriegsorte
in BiH - müsse revidiert werden, sagt der auf BiH-Ebene für Menschenrechte
un Flüchtlinge zuständige Minister Haliloviæ. Denn 12 Jahre nach dem
Krieg sei zum Erreichen dieses Ziels viel Geld und Arbeit nötig. Zur
Rückkehr der Flüchtlinge und umgesiedelten Personen gehört schließlich
auch, dass diesen Menschen auch die nötigen Lebensbedingungen geschaffen
werden. Rund 70 in- und ausländische Regierungsorganisationen und NGOs
sollen an der Revision der Strategie mitarbeiten. Nach Ende des Kriegs
in BiH gab es 2,2 Millionen Flüchtlinge und Umgesiedelte. Die Zahl der
bisherigen Rückkehrer beträgt laut offiziellen UNHCR-Angaben eine Million
Menschen.
Schlechtes Zeugnis
Ein einheitlicher
politischer Wille existiere nur in Form von Erklärungen, in der Praxis
aber würden Reformen und Entscheidungen, die Bedingung für einen EU-Beitritt
sind, einfach verhindert, heißt es in einer Studie, derzufolge BiH in
Sachen Entwicklung Platz 106 unter 130 Ländern einnimmt. Das bedeutet
sogar noch einen Abstieg, denn im Jahr zuvor (2006) kam Bosnien immerhin
noch auf Platz 97. Die größte Verschlechterung sei in den Bereichen
Gesundheitsfürsorge und Bildung zu bemerken. In BiH tätige Unternehmen
seien ebenso schlecht organisiert wie der Staat. Erwähnt werden in dem
Bericht auch die komplizierten Prozeduren und Wartezeiten bei der Gründung
eines Betriebs.
Flug Banja Luka - Belgrad und zurück an einem Tag
Jeden Freitag
um 6.20 Uhr kann nun von Banja Luka nach Belgrad geflogen werden und
am selben Tag um 21.10 Uhr wieder von Belgrad zurück. Im Frühjahr soll
diese für Geschäftsleute wichtige Fluglinie sogar täglich funktionieren.
Konkrete Pläne bestehen auch für eine Fluglinie Banja Luka - Tivat und
für Belgrad - Banja Luka - Pula.
CEFTA - eine Herausforderung für BiH
Für Bosnien
& Herzegowina ist das Abkommen über eine regionale Freihandelszone
(CEFTA) in Kraft getreten. Für die Wirtschaft, die darauf noch nicht
vorbereitet ist, dürfte es einige Probleme bringen, langfristig sollte
es Chancen bieten, sagen Volkswirtschafter und Geschäftsleute. Es gilt,
Konkurrenzbedingungen zu schaffen; dazu sollten die Behörden ein Paket
von Maßnahmen zur Verringerung der Steuerlast von Betrieben verabschieden
und an den Grenzen strengere Kontrollen einführen. Das CEFTA-Abkommen,
das an die Stellefrüherer bilateraler Abkommen tritt, ist von BiH, Kroatien,
Serbien, Montenegro, Mazedonien, Albanien, Moldawien und UNMIK im Namen
des Kosovo unterschrieben worden.
Abkommen zur Assoziierung und Stabilisierung paraphiert
Ein Schritt
auf dem noch langen Weg zur EU: BiH und die Europäische Kommission haben
das Abkommen über Assoziierung und Stabilisierung paraphiert. Unterzeichnet
wird das Abkommen, wenn die bosnischen Behörden den Aktionsplan zur
Polizeireform durchführen, Fortschritte bei den Reformen des öffentlichen
Radio- und Fernsehsystems und in der öffentlichen Verwaltung machen
und die volle Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den
Haag sicherstellen. Das Abkommen selbst ermöglicht die Schaffung einer
Freihandelszone und bietet potentiellen Investoren Sicherheit - "Richtig
ausgeführt, ist es das Tor zum Kandidatenstatus", sagt Olli Rehn, Kommissar
für EU-Erweiterung.
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Oktober und November 2007 --------
500
Flüchtlinge aus dem Kosovo verlangen Asyl in BiH
500 (von insgesamt 2000) Flüchtlinge, deren vorläufige Aufenthaltsgenehmigung
in BiH am 30. September abgelaufen ist, haben dort nun um Asyl angesucht.
"Das Flüchtlingshochkommissariat der UNO wird alles tun, damit keine
dieser Personen gegen ihren Willen zurückkehren muss", sagte Aida Praljaèa,
die Sprecherin des UNHCR.
In den Jahren 1998 und 1999 sind rund 75.000 Menschen aus dem Kosovo
nach Bosnien geflüchtet; die meisten sind seither zurückgekehrt; im
Jahr 2006 wurden immerhin noch 1.987 Flüchtlinge in BiH registriert
(61 % Bosniaken, 27 % Roma, 7 % Albaner; sowie eine gernge Anzahl von
Serben, Kroaten u.a.). Für ihre Unterbringung, Verpflegung, Gesundheitsfürsorge,
Bildung und andere Rechte ist das Ministerium für Menschenrechte und
Flüchtlinge zuständig.
Dodik akzeptiert Beschlüsse des Hohen Repräsentanten nicht
Milorad Dodik, Premierminister der bosnischen Entität "Republika Srpska"
(RS) bezeichnet neue Maßnahmen des internationalen Hohen Repräsentanten
Miroslav Lajèak für verfassungswidrig und inakzeptabel. Lajèak hat das
Gesetz über den BiH-Ministerrat dahingehend abgeändert, dass der Ministerrat
auch dann gültige Bescheide erlassen kann, wenn aus jedem "Volk" nur
ein (statt wie bisher zwei) Minister an der Abstimmung teilnimmt. Bis
1. Dezember sollte das BiH-Parlament sich auf die neue Geschäftsordnung
eingestellt haben - der Sinn ist, dass Abstimmungen nach Entitäten reduziert
werden: Lajèak verlangt, dass die Anwesenheit einer Mehrheit der Abgeordneten
für die Gültigkeit einer Parlamentssitzung genügt, egal, wie viele Abgeordnete
aus den jeweiligen Entitäten anwesend sind. "Ziel ist es, das Funktionieren
der Institutionen zu ermöglichen und zugleich zu verhindern, dass jemand
durch seine Abwesenheit die Arbeit blockiert", so der Hohe Repräsentant
der internationalen Gemeinschaft.
In der anderen Entität, der "Föderation" (FBiH), haben die führenden
Parteien die Beschlüsse von Lajèak als Schritt zu einem effizienten
System und funktionsfähigen Staat begrüßt.
Angstmacherei als politisches Mittel
Die politische Elite in Bosnien & Herzegowina habe sich und das
Land in die Lage gebracht, in der es heute ist, stellt Judy Butt, eine
Balkan-Expertin am Pariser EU-Institut für Sicherheitsstudien, fest,
allerdings seien auch Interventionen von außen nicht besonders hilfreich
gewesen. "Jene, die die Politik in BiH und Serbien gestalten, tun alles,
um ihre Länder von der EU zu entfernen. In diesen Ländern haben wir
noch keine demokratische Politik. Die Politiker benutzen Abschreckung,
das heißt: die Angst der Bevölkerung, als ein Mittel. Sie tun das, anstatt
dem Volk eine klare Perspektive für die Zukunft - die in der europäischen
Integration liegt - zu geben. Auf diese Weise ziehen sie die Bevölkerung
in den Zustand der 90er Jahre zurück"
Botschafter Schmunk warnt vor weiterer Radikalisierung
"Wenn die Situation in BiH sich weiter radikalisiert, so hat die internationale
Gemeinschaft ein Maßnahmenpaket bereit", sagte Michael Schmunk, der
deutsche Botschafter in BiH, in einem Interview. "Die Spannungen müssen
abnehmen, es ist wirklich nicht nötig, dass einheimische Politiker mit
ihren Zügen die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft testen."
Schmunk wertete es als gutes Zeichen, dass "nach dem Lärm der letzten
Tage" eine Bemühung aller um eine Beruhigung der Situation zu bemerken
sei. "Eine Radikalisierung können wir nicht akzeptieren", sagte Schmunk,
"ich will klar sagen, dass Deutschland eine Untergrabung des Dayton-Friedensabkommens
nicht tolerieren wird." Die Maßnahmen des Hohen Repräsentanten hätten
nur ein Ziel: die Verbesserung der politischen Situation in BiH. Sie
seien nicht gegen eine bestimmte Gruppe gerichtet. "Aber wenn jemand
denkt, dass er die internationale Gemeinschaft wirklich herausfordern
muss, dann hat er mit sehr ernsten Maßnahmen zu rechnen."
Republika Srpska ist eine "europäische Region"
Die bosnische Entität "Republika Srpska" (RS) ist in die Assoziation
europäischer Regionen aufgenommen worden. Die RS kann damit in deren
Arbeitsorganen und bei der Eröffnung neuer Projekte gegenüber dem Fonds
der Europäischen Kommission mitwirken. Die Assoziation ermöglicht gemeinsame
Projekte im Bereich der institutionellen Entwicklung, Wirtschaft, Energie,
Ökologie, Bildung und Kultur; besonders wichtig sind ihre Programme
zur Fachweiterbildung und Mobilität von Jugendlichen in der Region Europa.
3,9 Milliarden Mark Außenschulden
Als derzeit nicht besonders schweres Problem wird die Höhe der Außenschulden
von BiH - rund 3,9 Milliarden Mark - gewertet. Schulden nach Entitäten:
"Föderation" 2,5 Milliarden Mark, "Republika Srpska" 1,59 Milliarden.
Insgesamt sind das 23 % des Bruttosozialprodukts. Die größte Verschuldung
besteht gegenüber der Weltbank - 54 %. Die Außenschulden werde "ordentlich
und im Einklang mit den übernommenen Pflichten getilgt", verlautet dazu
aus dem BiH-Finanzministerium. Über die Innenschulden gibt es wegen
der alten Devisenersparnisse noch keine genauen Angaben. Schätzungen
sprechen von etwa 10 Milliarden Mark.
Korruption, Arbeitslosigkeit, schleppende Reformen
Ein kleiner
Schritt zu ihrer Bekämpfung sei getan werden, aber insgesamt sei die
Korruption noch immer weit verbreitet und stelle ein ernstes Problem
dar, heißt es in einem Bericht der Europäischen Kommission für den Westbalkan.
Die nötigen Gesetze seien nun vorhanden, aber es gelte erst, sie anzuwenden.
Weiter stellt der Bericht fest: BiH ist wegen seiner komplexen Ordnung
von Institutionen im Rückstand bei der Durchführung von Reformen. Es
gibt auch keinen Fortschritt bei der Verbesserung der Koordination zwischen
gesamtstaatlichen Institutionen und den Entitäten. Auch "behindert die
Fragmentation des Rechtssystems weiterhin die Arbeit der Justiz", während
auf der anderen Seite ein großer Schritt hin zur Unabhängigkeit der
Richter und Staatsanwälte von der internationalen Gemeinschaft getan
wurde. Die Leistung von Exekutive und gesetzgebenden Institutionen wird
insgesamt für "weiterhin schlecht" befunden; die Diskussion über Abänderungen
der Verfassung ist vollends ins Stocken geraten. Menschenrechte und
Minderheitenschutz sind weiterhin problematische Bereiche - hauptsächlich
wegen religiöser Intoleranz! Beim Aufbau einer funktionellen Marktwirtschaft
gibt es wenig Fortschritt. Hauptsorge ist nach wie vor die hohe Arbeitslosigkeit.
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September 2007 --------
Ohne
Polizeireform ist BiH isoliert, sagt Matthew Rycroft
Matthew Rycroft, der britische Botschafter in BiH, sieht düstere Zeiten
für Bosnien heraufdämmern, wenn es zu keiner Einigung über die Polizeireform
kommt. Die Polizeireform, die von der EU als unabdingbare Voraussetzung
für weitere Annäherungen erachtet wird, soll die Polizeikörper der beiden
Entitäten zu einer einzigen bosnischen Polizei zusammenführen. Ohne
Polizeireform werde das Land sich in einer Lage der Isolation wiederfinden,
so Rycroft. (Im September 2007 hatte es für kurze Zeit den Anschein,
als käme zwischen Vertretern der Entitäten "Kroatisch-muslimische
Föderation" und "Republika Srpska" - RS - eine Einigung
zustande, doch ihr Wert hat sich als gering herausgestellt.) Botschafter
Rycroft betonte auch, dass es keine Gründung einer dritten Entität in
BiH geben könne, weil die für eine Verfassungsänderung nötige Zwei-Drittel-Mehrheit
im Parlament sehr schwer zu erreichen sei. "Es gibt keine dritte
Entität, es gibt keine Abschaffung der RS, und es gibt keine Abspaltung
der RS aus BiH", so Rycroft.
(Siehe dazu auch weiter unten: "Die Lage hat sich verschlechtert,
sagt Lajèak)
SPD-Politiker redete bosnischen Sozialdemokraten ins Gewissen
Bei einem Besuch in Banja Luka (Hauptstadt der bosnischen Entität "Republika
Srpska") sagte der deutsche SPD-Abgeordnete Christoph Zeppel, die
BiH-Politiker sollten die nationalen Unterschiede vergessen, denn komplizierte
Beziehungen im eigenen Land hätten nur einen negativen Einfluss auf
die Entwicklung der Wirtschaft. Ziel seines Besuchs, so Zeppel, sei
die bessere Zusammenarbeit zwischen seiner Partei und den sozialdemokratischen
Parteien in BiH. Der SPD-Politiker forderte die Chefs der Parteien SNSD
und SDP BiH, Milorad Dodik und Zlatko Lagumd¾ija, auf, einen gemeinsamen
Weg der Wirtschaftsentwicklung zu finden.
Visaerleichterungen ab 1. Januar 2008
Die seit langem versprochenen Erleichterungen bei der Beschaffung eines
Visums für BiH-Bürger treten nun endlich am 1. Januar 2008 in Kraft.
Das diesbezügliche Abkommen zwischen der Europäischen Kommission und
Vertretern von Westbalkanstaaten (neben BiH noch Serbien, Montenegro,
Mazedonien und Albanien) ist unterzeichnet worden; es betrifft auch
die gegenseitige Auslieferung von Personen, die sich illegal in einem
der genannten Länder bzw. in einem EU-Land befinden. Die Visaerleichterungen
gelten für rund zwanzig Personengruppen, u.a. Studenten, Professoren,
Geschäftsleute, Journalisten sowie Personen, die zur ärztlichen Behandlung
oder zum Besuch von engen Verwandten ins Ausland reisen.
Die Erleichterungen bestehen in geringeren Gebühren oder überhaupt einer
Befreiung von der Gebühr und in einem vereinfachten Antragsverfahren;
für die genannten Gruppen werden auch langfristige Visa ausgestellt.
Religiöse Freiheit in Gefahr
Ein neuer Bericht des US-State-Department über den Stand der Religionsfreiheit
wirft auf die Verhältnisse in Bosnien kein günstiges Licht: Der Schutz
der Religionsfreiheit seitens der lokalen Behörden sei geringer geworden,
besonders während der Wahlkämpfe des Vorjahrs. Die Diskriminierung religiöser
Minderheiten sei weitergegangen, trotz Vollzug des Gesetzes über Religionsfreiheit.
Intoleranz würden durch nationalistische Rhetorik von religiösen und
politischen Führern gefördert. Im Vergleich zum vorherigen Bericht sei
die Zahl der Übergriffe auf religiöse Würdenträger und religiöse Objekte
gestiegen, im Bereich aller drei großen Gruppen in BiH (Muslime, Katholiken,
Orthodoxe). Es wurden auch Fälle berichtet, dass muslimischen Frauen
Geld für das Tragen des Kopftuchs und das Praktizieren einer strengen
Form des Islams angeboten wurde.
Mesiæ gegen dritte Entität in BiH
Die Gründung einer dritten Entität würde das Gegenteil einer Stärkung
von BiH erreichen, warnte der kroatische Staatspräsident Stipe Mesiæ
bei einem Besuch in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. "Ich bin
immer für ein ganzheitliches BiH gewesen, das ist im Interesse der Region,
Europas und der Welt", sagte Mesiæ. Das Gerücht, Kroatien werde
für BiH-Bürger die Visumspflicht einführen, wies er zurück.
Die Lage hat sich verschlechtert, sagt Lajèak
Miroslav Lajèak, höchster Repräsentant der internationalen Gemeinschaft
in BiH, nennt die Situation im Lande ernst und besorgniserregend. "Manche
Politiker... lehnen es ab, ihre Kollegen von der anderen nationalen
Gruppe überhaupt anzuhören. Die Schaffung eines Opferimages bei einem
Volk steht im Gegensatz zur Befürwortung eines multiethnischen Staates",
sagte Lajèak vor der Vereinigung unabhängiger Intellektueller "Kreis
99" in Sarajevo. "Ich achte die Kriegsopfer, aber ich bin
gegen das Ausnutzen der Opfer als politische Karte... Man kann als letztes
Argument nicht sagen: Ich bin Opfer, und daher bin ich im Recht."
Mit maximalen Forderungen der einzelnen Gruppen sei kein Ergebnis zu
erzielen, damit würde nur der multiethnische Staat direkt abgelehnt.
Lajèak zum Dauerthema Polizeireform: "Es können damit nicht alle
Pobleme gelöst werden, aber sie ist der erste Schritt. Ich hoffe, dass
mein diesbezüglicher Vorschlag in den Entitäten und im BiH-Parlament
angenommen wird. (Der Vorschlag sieht die Schaffung einer funktionalen
Polizei, die Übertragung der Zuständigkeit auf BiH-Ebene und ein gemeinsames
Budget vor.) Die Ablehnung meines Vorschlags würde zu konkreten Folgen
führen, und die Verantwortlichen hätten die Konsequenzen zu tragen.
In der Frage der Polizeireform ist sich die internationale Gemeinschaft
einig, da gibt es keine Lücken, auch wenn manche Leute versuchen, solche
Lücken zu finden. Die Situation in BiH hat sich verschlechtert, es wird
sich die UNO-Generalversammlung damit befassen müssen."
Mehr serbische Staatsbürger
Alle Serben, die außerhalb Serbiens leben und schon eine ausländische
Staatsbürgerschaft haben, können auch die serbische Staatsbürgerschaft
erhalten. Diese Änderung des Gesetzes über Staatsangehörigkeit ist von
der serbischen Nationalversammlung verabschiedet worden. Voraussetzungen
für eine solche Doppelstaatsbürgerschaft: Antragsteller müssen mindestens
18 Jahre alt und geschäftsfähig sein, und sie müssen eine Erklärung
unterschreiben, dass sie Serbien als "ihren Staat" akzeptieren.
Devisenersparnisse
Das Völkerhaus
des BiH-Parlaments hat ein Gesetz über Abänderungen und Ergänzungen
des Gesetzes über Schuldentilgung aufgrund der Rechnungen der alten
Devisenersparnisse verabschiedet. Die Frist für die Auszahlung der alten
Devisenersparnisse ist von 13 auf neun Jahre verkürzt worden.
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August 2007 --------
Prompt
rügt der RS-Premier den deutschen Botschafter
Erwartungsgemäß haben die Aussagen des deutschn Botschafters in BiH,
Michael Schmunk, über die Schaffung einer Nation in BiH als Ziel der
Verfassungsreform den heftigen Widerspruch von Milorad Dodik herausgefordert.
Dodik, Premierminister der BiH-Entität "Republika Srpska" (RS) und von
separationistischen Ideen verfolgt, redet von "grober Einmischung in
innere Fragen von BiH und Überschreitung der diplomatischen Regeln"
und lehnt die "Bemühungen von einigen Politikern, das Prinzip eines
bosnischen Unitarismus als einzig mögliches Prinzip auf dem Weg zur
europäischen Integration zu fördern" scharf ab. Mit seiner These eines
Bedarfs nach fünf oder sechs wirtschaftlichen Regionen komme Schmunk
ganz dem Konzept der bosniakischen Partei SDA entgegen, so Dodik.
Dagegen versteht der bosniakische RS-Vizepräsident Osmanoviæ die Aussagen
von Botschafter Schmunk als "Botschaft, dass man bei allen BiH-Bürgern
das Gefühl für ihre Staatszugehörigkeit entwickeln soll": "Als Staatsbürger,
kann man sagen, sind wir alle Bosnier. Das bedeutet nicht, dass wir
auf unsere nationale Identität - Bosniake, Serbe, Kroate, Jude - verzichten."
Serbische
orthodoxe Kirche ist kein Staat wie der Vatikan
Der Beschluss des BiH-Präsidiums, den Vertrag mit der Serbischen orthodoxen
Kirche zu akzeptieren, ist von Präsidiumsmitglied Haris Silajd¾iæ nicht
unterstützt worden. Der Beschluss basiere auf einer falschen gesetzlichen
Grundlage, teilt das Kabinett von Silajd¾iæ mit: Nämlich auf einem Paragraphen,
der das BiH-Präsidium zum Abschluss internationaler Verträge bevollmächtigt
- etwa mit dem Heiligen Stuhl, wie es bereits geschehen ist. Im Gegensatz
zum Vatikan sei aber die Serbische orthodoxe Kirche kein eigener Staat.
Seinen beiden Präsidiumskollegen Radmanoviæ und Kom¹iæ, die mittels
Abstimmung den Beschluss verabschiedeten, hat Silajd¾iæ eine Alternative
angeboten, die auf Bestimmungen der BiH-Verfassung und des Gesetzes
über Religionsfreiheit beruht.
280 serbische Dörfer sind von den Landkarten verschwunden
"Rund 280 Siedlungen in der kroatisch-muslimischen Entität "Föderation"
(FBiH), in denen vor dem Krieg ausschließlich Serben lebten, sind von
den Landkarten verschwunden, denn diese Orte sind tot, niemand ist dorthin
zurückgekehrt", heißt es in einem Bericht, der auf mehrjährigen Forschungen
und einem Datenaustausch zwischen verschiedenen Vereinigungen in BiH
(Flüchtlinge, Umgesiedelte, Rückkehrer) beruht. Demnach leben in der
"Föderation" heute nur noch sechs Prozent der Serben.
Das sind andere Zahlen als das BiH-Ministerium für Menschenrechte und
Flüchtlinge liefert. Das Ministerium stützt sich auf Angaben über Vermögensrückgabe,
Dokumentenbeschaffung und Anmeldung für eine Donation - nicht aber auf
tatsächliche Rückkehr.
"In 72 Siedlungen in der Föderation, wohin Serben zurückgekehrt sind,
gibt es zwölf Jahre nach dem Krieg noch immer keinen Strom", sagt Vojislav
Mili¹iæ, Vorsitzender der Vereinigung von Flüchtlingen und umgesiedelten
Menschen. "In der Gemeinde Bihaæ lebten vor dem Krieg etwa 16.000 Serben
- heute sind es 380; in Sanski Most waren es 24.000 - heute sind es
weniger als 2500; in Bugojno waren es 9500 - heute sind es 400."
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Juli 2007 --------
Schwarz-Schilling
setzt Gedächtnisstätte durch
Zum Abschluss
seines Mandats als Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft
in Bosnien & Herzegowina hat Christian Schwarz-Schilling dem Staat
ein Gesetz über die Gedächtnisstätte Srebrenica-Potoèari auferlegt.
Danach trägt BiH die ganze Verantwortung und Sorge für dieses Zentrum;
die Kosten werden aus dem staatlichen Budget beglichen. "Es ist dies
keine parteipolitische Frage. Man kann nicht akzeptieren, dass die parteipolitischen
Kalkulationen auch in diesem Gesetz spiegeln. Ich konnte mein Mandat
in BiH nicht beenden, ohne vorher zu verhindern, dass dieses Gesetz
politischen Manövern zum Opfer fällt", sagte Schwarz-Schilling. Die
Regierung der BiH-Entität "Republika Srpska" sieht in dem Beschluss
des Hohen Repräsentanten über das Memorial Srebrenica-Potoèari eine
Verletzung der verfassungsrechtlichen Bestimmungen von RS und BiH.
Bis 2013
ist Bosnien nur potentieller Kandidat für die EU
Im Finanzrahmen der EU für den Zeitabschnitt 2007 bis 2013 wird Bosnien
& Herzegowina nur als potentieller Kandidat für einen EU-Beitritt
erwähnt. Im Rahmenbudget der Europäischen Kommission für das Jahr 2013
keine Mittel für BiH als EU-Beitrittskandidaten vorgesehen. Das bedeutet,
dass die EU über BiH als Kandidaten für eine EU-Mitgliedschaft erst
nach dem Jahr 2013 nachdenken wird.
Die EU stellt laut Finanzplan für die nächsten sechs Jahre 11 Milliarden
Euro für den IPA-Mechanismus - zugunsten von Ländern, die auf einen
EU-Beitritt vorbereitet werden - zur Verfügung. Die Länder, denen dieser
Fonds zugute kommt, werden in zwei Kategorien eingeteilt: Potentielle
Kandidaten - wie BiH, Serbien, Albanien und Montenegro; und Kandidaten
- wie Kroatien, Makedonien und die Türkei. Die "Kandidaten" haben u.a.
Anspruch auf Mittel für Projekte zur vollständigen Akkordierung der
nationalen Gesetze mit dem EU-Recht sowie zur Vorbereitung einer europäisch
strukturierten Landwirtschaft.
Deutschland
unterstützt BiH auch weiterhin
"Deutschland ist weiterhin bereit, BiH bei seinen Reformprozessen voll
zu unterstützen", sagte Marieluise Beck, Vorsitzende der für BiH zuständigen
parlamentarischen Gruppe im Deutschen Bundestag, bei einem Besuch in
Bosnien. "Die Parlamente beider Länder haben in diesen Reformprozessen
eine Schlüsselrolle. Wir erwarten mit Ungeduld, dass eine Gruppe wie
die unsere so bald wie möglich auch im BiH-Parlament gegründet wird."
BiH-Ministerratsvorsitzender Nikola Spiriæ beteuerte gegenüber der deutschen
Delegation sein Interesse daran: "Für uns ist es sehr wichtig, dass
Deutschland seine Aufmerksamkeit für uns bewahrt, zumal das Jahr 2007
ein Jahr der Herausforderungen für unser Land ist. Für dieses Jahr erwarten
wir, dass die Bedingungen für die Unterzeichnung des Abkommens mit der
EU - Polizeireform, Radio- und Fernsehreform, Zusammenarbeit mit dem
Tribunal in Den Haag - erfüllt werden."
Slowakischer
Diplomat ist neuer Hoher Repräsentant in BiH
Der slowakische Diplomat Miroslav Lajèák ist Nachfolger von Christian
Schwarz-Schilling auf dem Posten eines "Hohen Repräsentanten" - tatsächlich
des höchsten Repräsentanten - der internationalen Gemeinschaft und speziellen
Vertreters der EU in Bosnien & Herzegowina. Er wolle alle guten
Projekte, die von seinem Vorgänger begonnen wurden, fortsetzen, sagte
Lajèák bei seiner Ankunft in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Und:
"Viele sagen, dass in BiH noch immer Versöhnung und Vertrauen fehlen.
Die Reformen sind ins Stocken geraten, positive Energie ist verloren
gegangen. Um das festzustellen, muss man kein politischer Analytiker
sein. Man muss nur die Zeitungen aufschlagen. Tatsächlich kann man Kälte,
Bosheit, Intoleranz, ein Klima der Beschuldigung, Misstrauen fühlen.
Wohin führt der derzeitige Stil der Politik das Land? Das ist eine legitime
Frage, und ich werde sie en führenden Vertretern des Landes stellen."
Lajèák weiter: "Die internationale Gemeinschaft hat das gute Recht,
von den einheimischen Politikern zu verlangen, dass sie sich miteinander
verständigen. Die EU könnte ohne das ständige Ringen um Einvernehmen
und ohne Rücksicht auch auf andere als bloß die eigenen Interessen keinen
Tag überleben. Die Vergangenheit darf kein Hindernis auf dem Weg in
die Zukunft sein. Dazu aber braucht es einen objektiven und unparteiischen
Gerechtigkeitssinn." Die Botschaft des neuen "High Representative" an
die BiH-Bürger: "Es ist wichtig, dass BiH Fortschritte auf dem Weg zur
EU macht, und wir werden euch auf diesem Weg helfen. Euer Erfolg dabei
ist auch unser Erfolg. Euer Misserfolg ist auch unser Misserfolg."
Ermittlungen
gegen "Merhamet"
Die Staatsanwaltschaft Sarajevo hat Ermittlungen gegen die muslimische
karitative Organisation "Merhamet" eingeleitet. Es bestehe
der Verdacht, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, dass "Merhamet"
die Arbeit von Personen und Organisationen finanziell unterstütze, welche
den Wahhabiten, einer neuerdings in Bosnien aktiven radikal-islamistischen
Bewegung, nahestehen: "Wir sind in den Besitz einer umfangreichen
Dokumentation über die Finanztätigkeit von ,Merhamet' gelangt. Darunter
sind auch Belege für verschiedene zweifelhafte Transaktionen und eben
Gelder an die Wahhabiten."
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Juni 2007 --------
Dodik
beharrt auf Abstimmung nach Entitäten
Wenn in Bosnien auf gesamtstaatlicher Ebene die Abstimmung nach Entitäten
abgeschafft wird, sieht Milorad Dodik, Premierminister der Entität "Republika
Srpska" (RS) schlechte Zeiten für "seine" Serben heraufdämmern: "Dann
wäre BiH in einigen Jahren ein rein bosniakischer Staat. Wir haben unseren
Gesprächspartnern in Washington in der Frage einer Verfassungsänderung
deutlich gesagt, dass wir die Einwilligung zur Abschaffung der Abstimmung
nach Entitäten nicht geben können." Er habe, so Dodik, in Washington
auch das Schicksal der Kroaten in Bosnien als lehrreiches Beispiel für
die Serben vorgeführt.
Dreitägige Gespräche in Washington zwischen RS-Premier Dodik und dem
bosniakischen BiH-Präsidiumsmitglied Haris Silajd¾iæ über Verfassungsänderungen
und die von der EU geforderte Polizeireform wurden ohne Vereinbarungen
beendet. Kommentar eines US-Vertreters "Dieser Misserfolg blockiert
den Weg Bosniens zur EU und zur NATO."
US-Botschafter McElhaney: Keine Entität kann den Staat verlassen
"Weder Dodik noch Silajd¾iæ haben gezeigt, dass sie zu einem Kompromiss
in den Fragen der Polizei- und der Verfassungsreform in BiH bereit sind",
zeigte sich Douglas McElhaney, US-Botschafter in Bosnien, nach den Gesprächen
in Washington enttäuscht. "Wir haben ihnen gesagt, dass die derzeitige
Rhetorik völlig inakzeptabel ist, sie tut dem Land nicht gut und wird
nichts lösen. Mit seiner jetzigen Verfassung hat BiH keine Zukunft,
daher werden die USA und die EU diese Reformen weiter verfolgen... In
BiH gibt es zwei Entitäten (die sogenannte muslimisch-kroatische "Föderation"
und die sogenannte "Republika Srpska"), und wenn sie den Status der
Entitäten ändern wollen, dann sollen sie über Abänderungen der Verfassung
verhandeln. Im Dayton-Abkommen steht nichts davon, dass eine Entität
den Staat verlassen kann."
Er habe es satt, immer wieder zu hören, so der US-Botschafter weiter,
dass ein BiH-Territorium einem Volk gehöre und ein anderes Territorium
einem anderen Volk: "Es gibt hier kein muslimisches Land, und es gibt
auch keine serbische Entität, denn in der Republika Srpska leben auch
die anderen Völker. Laut Dayton-Abkommen ist BiH ein multiethnischer
Staat. Wenn die Vertreter der beiden Entitäten sich an den Verhandlungstisch
setzen, dann können sie nicht bloß über jeweils ein Volk nachdenken,
denn es gibt hier auch andere Völker und Minderheiten."
Zentrale Macht wäre schädlich für das Land
"Ich bin gegen eine Zentralisierung in Bosnien & Herzegowina - so
habe ich vor zwei Jahren gedacht, und heute bin ich noch sicherer, dass
derlei nicht funktionieren könnte", sagt Thomas Melady, US-Diplomat
und Professor am Politikinstitut in Washington. "Für eine innere Staatsordnung
in BiH sind Kompromiss und Verhandlung zwischen den Leuten, die hier
leben, notwendig. Einmischung von außen sollte es nicht geben."
Eine stark zentralisierte Macht müsse vermieden werden. "Die Lage der
kroatischen Gemeinschaft in BiH erfüllt mich mit Sorge", so Melady,
"von den drei Völkern in BiH sind die Kroaten am wenigsten zufrieden.
Viele kroatische Intellektuelle fühlen sich unbehaglich, was die Zukunft
des Landes betrifft. Offensichtlich ist de Zahl der Kroaten und der
Serben in BiH im Sinken, und das ist nicht gut."
Bosnische Kroaten sollen in Bosnien wählen, nicht in Kroatien
In Kroatien hat der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei (SDP),
Zoran Milanoviæ für den Fall eines Wahlsiegs angekündigt, dass das Wahlrecht
für Kroaten aus Bosnien & Herzegowina (BiH) abgeschafft wird. Der
kroatische Präsident Stipe Mesiæ hat auf Anfrage von Journalisten dazu
folgenden Kommentar gegeben: "Kroaten aus BiH sind nicht als kroatische
Diaspora zu verstehen. Das kroatische Wahlgesetz soll nach den Parlamentswahlen
geändert werden. Die bosnischen Kroaten sind ein konstitutives Volk
ihres Landes, ebenso wie die beiden anderen bosnischen Völker. Nach
derzeit geltendem Gesetz sind die Kroaten aus BiH in die Diaspora eingeschlossen,
tatsächlich sind sie aber nicht Diaspora-Kroaten."
EUFOR stoppte genehmigten Import von Cannabis-Tee
Die internationale
Schutztruppe EUFOR hat im Zolldepot in Sarajevo den Vertrieb von 40.000
Viertelliterdosen "CICE Swiss Cannabis Ice Tea" blockiert und Proben
davon an zwei verschiedene Labors zur Analyse geschickt. Die Firma "Procaffe"
des ehemaligen Innenministers der "Föderation" (FBiH), Bakir Alispahiæ,
hatte vom FBiH-Wirtschaftsministerium wie auch von der BiH-Mehrwertsteuerverwaltung
die Genehmigung erhalten, den Marihuana-Eistee als Nahrungsmittel zu
importieren. Aus 10.000 Litern dieses Tees könnten durch Dämpfen rund
500 Kilo Cannabis-Öl gewonnen werden.
Flaggen und Wappen der Entitäten müssen weg
Der gesamtbosnische
Verfassungsgerichtshof hat nunmehr rechtsgültig verfügt, dass alle Flaggen
und Wappen der Entität "Föderation" (FBiH) und alle Wappen der anderen
Entität "Republika Srpska" (RS) von allen öffentlichen Plätzen entfernt
werden. Auch Stempel, Memoranden und sonstige Dokumente, auf denen das
Wappen oder die Flagge der FBiH abgebildet sind, gelten nicht mehr.
In der Republika Srpska" wird das Emblem "RS" als Ersatz für das Wappen
benutzt. Als verfassungswidrig ist auch die RS-Hymne erachtet worden.
Besorgnis erregende bosnische Politiker
Was die Implementierung
des Friedens und die Erfüllung der Bedingungen für den Assoziierungs-
und Stabilisierungspakt betrifft, so sei BiH fast völlig ins Stocken
gekommen, sagte Christian Schwarz-Schilling, der oberste internationale
Vertreter in Bosnien. "Die Schuld an dieser Situation tragen die politischen
Führer des Landes. Der Rat für Friedensimplementierung ist sehr besorgt.
Der Prozess der Verfassungsänderung muss so schnell wie möglich wieder
in Gang kommen, die Priorität aller Prioritäten aber ist die Polizeireform
Und außerdem müssen alle, gegen die seitens des Gerichtshofs in Den
Haag eine Anklage vorliegt, endlich verhaftet werden."
Der Grund dafür, dass das Büro des höchsten internationalen Vertreters
(OHR) im Juni nicht aufgelöst wurde, liege in "Rhetorik und Benehmen
der BiH-Politiker": "Wir werden nicht zulassen, dass Frieden und Stabilität
bedroht werden, deshalb sind wir hiergeblieben", so Schwarz-Schilling.
Abwanderung aus Livno
Im Gebiet
der Gemeinde Livno sind nach Angaben der dortigen katholischen Kirche
in den letzten zwölf Jahren (also seit Ende des Bosnien-Kriegs) rund
12.000 Menschen - hauptsächlich Kroaten - ausgewandert. "Der Kanton
Livno wird von der Regierung der Föderation (FBiH) völlig vernachlässigt",
sagt Mislav Suèiæ, ein kroatischer Parlamentsabgeordneter aus Livno,
"von vier Milliarden Mark an geplanten Investitionen in der FBiH in
den nächsten vier Jahren ist eine einzige Mark für den Kanton Livno
vorgesehen."
97.207 Opfer des Kriegs in Bosnien
Hinter dem
sachlichen Projektnamen "Einwohnerverlust 1991 bis 1995" verbirgt sich
die Statistik einer Tragödie: Im Bosnien-Krieg jener Jahre sind genau
80.545 Personen ums Leben gekommen, 16.662 werden noch vermisst (insgesamt
also 97.207 Opfer, das sind 2,22 Prozent der damaligen Bevölkerung).
Davon waren 39.684 Personen Zivilisten, unter diesen wiederum 20 Prozent
Frauen und 3,47 Prozent Kinder.
Die weitaus meisten Opfer des Kriegs waren (muslimische) "Bosniaken"
(64.036). Dann kommen Serben (24,905), Kroaten (7.788) und "andere"
(478).
Fachleute und Freiwillige haben dreieinhalb Jahre das Material für diese
Untersuchung des Forschungs- und Dokumentationszentrums in Sarajevo
(IDC) zusammengetragen. In jedem einzelnen Fall werden Name, Vorname
und Herkunftsort des Opfers angeführt, sowie Todesart und sonstige verfügbare
relevanten Daten.
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Mai 2007 --------
Bosnien
im Kampf gegen Terroristen
Trotz Zusammenarbeit
mit den USA sei Bosnien & Herzegowina in Sachen Terrorismusbekämpfung
immer noch ein schwaches Land, stellt ein Bericht der US-Regierung über
Terrorismus für das Jahr 2006 fest. Diese Situation werde von Terroristen
ausgenützt: Von Zufluchtsorten in BiH aus könnten europaweite Aktivitäten
geplant werden. Immerhin seien aber die operativen Möglichkeiten Bosniens
im Kampf gegen den Terrorismus verbessert worden. Voriges Jahr wurde
eine Kommission zur Revision von erworbenen bosnischen Staatsangehörigkeiten
geschaffen. Bis Oktober 2006 wurden bereits Überprüfungen der Staatsbürgerschaft
in 600 Fällen eingeleitet (das ist die Hälfte aller Fälle); 150 mal
wurde die bosnische Staatsbürgerschaft aberkannt. Darunter sind drei
Namen, die auch auf einer UN-Liste von Personen stehen, welche Kontakt
zu den afghanischen Taliban, zu Osama bin Laden und Al-Qaida haben.
Der
Nationalismus wächst
Ein Wachsen
des Nationalismus, Spannungen im Land, Fehlen von Dialog, Unterbrechung
in den Reformprozessen - eine beunruhigende Analyse der derzeitigen
Situation in BiH, die Mirsad Kebo, Vizepräsident der Föderation BiH,
getroffen hat. "Lösungen werden sogar außerhalb des Systems gesucht,
und das kann Extremisten und Terroristen nur recht sein." Das alles
sei eine Folge der vor einem Jahr gescheiterten Verfassungsänderung.
"Der allgemeine Lebensstandard, das Niveau der Menschenrechte und der
Sicherheit müssen erhöht werden", sagt Kebo, "es muss möglich werden,
dass jeder seine Identität frei ausdrücken kann, ohne zugleich den anderen
in dieser seiner Freiheit zu behindern... Es gibt in BiH ohne Änderung
der Verfassung, und zwar in einer parlamentarischen Prozedur, keinen
weiteren Fortschritt. Die einzige Lösung in BiH sind Dialog und Kompromisse
seitens aller drei Völker."
Auch
Muslime warnen vor den Wahhabiten
Laut einer
Studie von "World Politics Watch" sind religiöser Fundamentalismus und
der Einfluss der Wahhabiten-Bewegung in BiH im Anstieg und stellen nicht
mehr nur eine marginale Erscheinung dar. Resid Hafizoviæ, Professor
an der Fakultät der islamischen Wissenschaften in Sarajevo, warnt in
der Studie ausdrücklich vor der Wahhabiten-Bewegung: Sie stelle für
Bosniens Muslime ein potentielles tödliches Virus dar.
Siebzig Prozent der zwei Millionen bosnischer Muslime lehnen die wahhabitische
Doktrin ausdrücklich ab; immerhin 13 % aber geben an, sich daran zu
halten. Der Erfolg dieser aus Saudiarabien eingeschleusten Bewegung
wird mit den schlechten Lebensbedingungen in Bosnien erklärt, das Problem
ist aber komplexer. De Mehrheit der bosnischen Muslime ist für eine
Trennung von Staat und Kirche, doch gab es unter den Intellektuellen
immer gewisse fundamentalistische Kreise mit politischer Macht. Der
ehemalige BiH-Präsident Alija Izetbegoviæ etwa sympathisierte mit den
Islamisten, nahm aber deren Doktrin nicht zur Grundlage seiner Politik.
Allerdings hat er im Krieg zur Verstärkung seiner Truppen Tausende von
arabischen Mudschahedin ins Land geholt, von denen viele in Afghanistan
gekämpft hatten. Die heutigen muslimischen BiH-Führer stehen unter dem
Druck der USA, die die Vernichtung des Dschihad-Netzes in Bosnien verlangen.
Anderseits haben die Islamisten weiterhin gute Kontakte zu höchsten
Kreisen.
In Sarajevo haben ehemalige Anhänger der Wahhabiten eine NGO ("Zentrum
für Terrorismusbekämpfung") gegründet, um auf die Gefährlichkeit dieser
Bewegung hinzuweisen. Die Studie von "World Politics Watch" zitiert
einen Fall aus Tuzla: Zum Begräbnis des Wahhabiten-Anführers Jusuf Barèiæ
kamen mehr als 3000 Anhänger der Bewegung. Und zuvor, im Februar, hatte
die Polizei einschreiten müssen, als Barèiæ-Gefolgsleute in Sarajevo
in eine Moschee eindringen wollten.
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April 2007 --------
Ungelöste
Frage des Adria-Hafens Ploèe
Der kroatische
Premierminister Ivo Sanader hat dem Vorsitzenden des BiH-Ministerrates,
Nikola ©piriæ, einen Vorschlag übermittelt, wie die Frage des Status
des kroatischen Adria-Hafens Ploèe gelöst werden könnte. Das Angebot
eines Status als "privilegierteste Nation bei der Nutzung des Hafens"
wurde nicht näher erklärt, wohl aber verlangte Sanader den gleichen
Status bei der Nutzung der zukünftigen Autobahn Budapest-Ploèe in dem
Teil, der durch BiH führt.
Ante Domazet, Wirtschaftsprofessor in Sarajevo und ehemaliger BiH-Finanzminister,
warnt vor dem Glauben, bosnische Unternehmer würden durch den Status
als "privilegierteste Nation" ungestörten Zutritt zum Hafen (ohne Zollprozeduren
und Gebühren) erhalten: "Ein solcher Status hat für unsere Unternehmer
keine Bedeutung. Das Problem der Nutzung des Hafens muss so gelöst werden,
dass Investoren aus BiH eine Konzession auf 99 Jahre erhalten, welche
ihnen den ungestörten Zugang - also ohne Zollprozeduren usw. - erlaubt.
Die Firmen aus BiH haben viel Geld in den Ausbau des Hafens investiert,
sie waren und sind noch immer die größten Benutzer des Hafens."
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März 2007 --------
Polizeireform gescheitert - BiH entfernt sich von EU
Durch
den Unwillen seiner Politiker und Parteien, sich auf eine Polizeireform
zu einigen, ist Bosnien & Herzegowina wieder weit davon entfernt,
einmal zur EU zu gehören. Eine Unterzeichnung des Assoziierungs- und
Stabilisierungsabkommens zwischen EU und BiH, zu dessen Bedingungen
die Polizeireform gehört, kommt bis auf weiteres nicht in Frage.
Die Vertreter der bosnischen Entität "Föderation" (FBiH, muslimisch-kroatisch)
waren für die Abschaffung einer eigenen Polizei pro Entität, die andere
bosnische Entität jedoch, die "Republika Srpska" (RS, serbisch), verlangte
weiterhin ihre eigene Polizei. Dazu sagt Frane Maroeviæ, der Sprecher
der Delegation der Europäischen Kommission in BiH: "Die Bedingungen
für die Unterzeichnung des Assoziierungs- und Stabilisierungsabkommens
bleiben aufrecht - Polizeireform, volle Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal
in Den Haag, Reform des TV- und Radio-Systems. Wir erwarten, dass die
BiH-Behörden weiterhin auf eine Erfüllung dieser Bedingungen hinarbeiten,
es ist noch Zeit, das Abkommen bis Ende des Jahres zu unterzeichnen.
Wir wollen nicht darüber reden, wer am Scheitern der Polizeiform schuld
ist. BiH muss leider die Folgen des Scheiterns tragen..."
Deutscher Botschafter gibt Hoffnung nicht auf
Anlässlich des 50. Jahrestags der EU äußerte sich der deutsche Botschafter
in BiH, Dr. Michael Schmunk, im "Krug 99" (Vereinigung der unabhängigen
Intellektuellen) zu den Perspektiven von Bosnien & Herzegowina.
Es gebe zwar keine "Endfrist" für die Polizeireform oder für den Beitritt
von BiH zur EU, aber das Land müsse im eigenen Interesse dieses Problem
so bald wie möglich lösen: "BiH ist nahe an einem EU-Beitritt, es muss
aber noch seine Hausaufgaben erfüllen. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel
sagt: Die EU kann nur dann funktionieren, wenn überall in Europa die
Stabilität gesichert ist. Ohne Stabilität auf dem Westbalkan aber gibt
es auch in der EU keine Stabilität." Schmunk hält es für möglich, dass
BiH bis zum Jahr 2013 in der EU ist. "Die EU ist en Beispiel dafür,
dass man Vereinigung auch nach einem Krieg erreichen kann, aber dazu
muss man den Tatsachen ins Auge sehen und zu einer gemeinsamen Interpretation
der Vergangenheit kommen."
Doppelte Staatsbürgerschaft, gemeinsame Grenzkontrolle
Vertreter der kroatischen
Regierung und des BiH-Ministerrats haben in der bosnischen Hauptstadt
Sarajevo ein Abkommen über doppelte Staatsangehörigkeit und gemeinsame
Grenzkontrolle unterzeichnet. Demnach bedeutet eine kroatische Staatsangehörigkeit
nicht den Verzicht auf eine bosnische. Im Bereich Grenzkontrolle sieht
das Abkommen Informationsaustausch, gemeinsam erarbeitete Sicherheitseinschätzung,
Abstimmung der Überwachung, Verwendung besonderer Ausstattung und gemeinsame
Aus- und Fortbildung vor.
Rückkehr ist für die Stadtverwaltung keine Frage mehr
Die
Frage der Rückkehr (von Flüchtlingen) sei in Banja Luka abgeschlossen,
verlautet aus der Hauptstadt der bosnischen Entität "Republika
Srpska" (RS). Die Eigentumsfragen aller Flüchtlinge und "umgesiedelten
Personen" sei gelöst - sogar offiziell bestätigt im Jahr 2005.
Die Stadtverwaltung von Banja Luka hat mit dieser Auskunft auf kritische
Worte von Antun Horvat reagiert, dem Vorsitzenden der Banjalukaner Niederlassung
der Vereinigung "Hrvatski radi¹a". Horvat hatte beklagt, dass
es immer weniger Kroaten in Banja Luka gibt - noch immer wandern einige
nach Kroatien oder anders wohin aus. "Wir versuchen, diese Auswanderung
aufzuhalten", sagte Horvat, "manchmal gelingt es uns auch,
aber es ist schwer, jemandem etwas zu versprechen, wenn man den Leuten
keinen Arbeitsplatz zusichern kann. Aus dem Budget haben wir kein Geld
bekommen." (Der Stadtverwaltung von Banja Luka, die ihre gute Zusammenarbeit
mit "allen kroatischen Vereinigungen" betont, ist die Niederlassung
von "Hrvatski radi¹a" unbekannt.) Indessen versichern Mi¹o
Relota von der kroatischen Partei HDZ und Davor Èorda¹, Vizepräsident
der RS, sich für die Verbesserung der Lage der Kroaten in Banja Luka
und in der ganzen RS einzusetzen.
Polizeireform: Wieder nichts
Die
jüngste, in den Räumen der deutschen Botschaft in Sarajevo abgehaltene
Verhandlungsrunde zwischen den Vorsitzenden der stärksten politischen
Parteien in BiH über die Polizeireform endete wieder ergebnislos. Michael
Schmunk, der deutsche Botschafter in BiH: "Wir werden weiterhin
alle Bemühungen um eine solche Reform fördern. Heute hat nur noch ganz
wenig gefehlt, aber am Ende ist es doch nicht gelungen. Die Polizeireform
liegt in der Verantwortung der einheimischen Politiker, sie müssen das
machen..."
Außer bosnischen Politikern haben der britische und der amerikanische
Botschafter sowie der Erste Stellvertreter des Hohen Repräsentanten
in BiH teilgenommen. Die Polizeireform ist eine Schlüsselbedingung für
die Unterzeichnung des Assoziierungs- und Stabilisierungsabkommens zwischen
EU und BiH.
-------- Januar 2007 --------
BiH
- ein geteiltes Land
Das Londoner "Institut für Krieg und Frieden" (IWPR) weist in einem
Bericht über ethnisches Misstrauen und Intoleranz in BiH darauf hin,
dass die drei in Bosnien lebenden Völker das Gefühl haben, in jedem
Augenblick könne wieder ein Krieg ausbrechen.
Der sechsseitige Bericht spricht von BiH als von einem geteilten Land,
das nie wieder sein könne, was es vor dem Krieg war. Viele Gebiete,
deren Bevölkerung einst gemischt war, sind jetzt "ethnisch homogen"
- Angehörige der anderen Gruppen seien umgebracht worden,oder sie lebten
im Ausland oder anderswo in Bosnien. Die wirtschaftliche Situation der
Rückkehrer wird besonders erwähnt - weil "die Serben" nur Serben beschäftigen,
und "die Bosniaken" nur Bosniaken, könnten Rückkehrer nicht mehr heim
zu ihrem früheren Platz, sondern müssten sich in "ihrer" Entität umsehen.
Ein junger Mann aus Sarajevo drückt das Problem seiner Generation so
aus: "Meine Altersgenossen leiden jetzt unter den Folgen einer Kindheit
im Krieg. Unsere ganze Generation ist verwirrt - sie hat die Richtung
verloren, sie ist nach ganz neuen Regeln erzogen worden. Das auf Geld
basierende trübe politische System hat diese verlorene Generation der
Jugendlichen, geschaffen..."
Die Prognose eines IWPR-Vertreters ist düster: "Der Krieg in BiH könnte
wieder ausbrechen, die ethnische Aufteilung ist sichtbar, und im Prinzip
ist der alte Krieg noch gar nicht beendet, denn das Abkommen von Dayton
hat die Probleme in BiH nicht gelöst."
OHR bleibt
nun doch in Bosnien
Ursprünglich
war geplant, das Büro des höchsten Repräsentanten der internationalen
Gemeinschaft (OHR) in Bosnien & Herzegowina Ende Juni 2007 aufzulösen
und seine Funktion in eine größere Struktur einfließen zu lassen. Nun
aber bleibt das OHR in BiH bis auf weiteres bestehen, mitsamt den "Bonn
Powers" (der Kompetenz des höchsten Repräsentanten, in Entscheidungen
der Regierungen von BiH und seiner beiden Entitäten einzugreifen). Die
Situation in BiH und in der ganzen Region sei so, dass OHR und "Bonn
Powers" in irgendeiner Form noch gebraucht würden, sagt Christian Schwarz-Schilling,
der derzeitige höchste Repräsentant der internationalen Gemeinschaft
in Bosnien. "Gleichzeitig ist es von entscheidender Bedeutung, dass
BiH den Weg in die EU fortsetzt und die EU ihr Engagement in BiH verstärkt."
Die Regierungen der wichtigsten EU-Staaten unterstützen seine Initiative
für die Verlängerung des OHR-Mandats, so Schwarz-Schilling.
Warum Kroaten
nicht in die Posavina zurückkehren
Nicht die
Situation de (Un-)Sicherheit in der bosnischen Entität "Republika Spska"
(RS) sei das große Hindernis für eine Rückkehr der Kroaten in die Posavina,
sondern die wirtschaftliche Lage: "Es reicht den Rückkehrern nicht aus,
dass ihre Häuser erneuert werden, sie brauchen auch Arbeit", sagt Davor
Èorda¹, Vizepräsident der RS. Im Gebiet der Städte Doboj, Derventa und
Brod lebten vor dem Krieg und 50.000 Kroaten, aber nur 1500 sind in
ihre Heimatorte zurückgekehrt; die meisten der vertriebenen Kroaten
leben heute in Slavonski Brod, dort bekommen sie auch Hilfe von der
kroatischen Regierung. Und zwar mehr, als würden sie bei einer Firma
in der RS arbeiten, so Èorda¹...
In Brod waren früher 43 % der Bevölkerung Kroaten, heute sind es drei
Prozent. Gemeindevorsteher Ivanoviæ kennt den Grund: "Im Krieg wurden
mehr als 90 % der Wohnhäuser zerstört, und nur wenig ist bisher wieder
aufgebaut worden."
Die Visum-Erleichterungen
sind beschlossen!
Die Verhandlungen
zwischen Bosnien & Herzegowina und der Europäischen Kommission sind
in Brüssel erfolgreich abgeschlossen worden, etliche Gruppen von BiH-Bürgern
kommen schon heuer in den lang ersehnten Genuss einer Visum-Erleichterung,
und zwar:
Dienstdelegationen, Geschäftsleute, Mitarbeiter von NGOs, Fahrer bei
internationalen Transporten, Eisenbahnarbeiter, Journalisten, Wissenschafter,
Kulturschaffende und Künstler, Studenten, Sportler, Personen mit nahen
Verwandten in EU-Ländern, Personen, die sich in einem EU-Land medizinisch
behandeln lassen müssen, sowie Bedienstete der traditionellen Religionen
- sie alle haben Recht auf ein langfristiges Visum mit mehrfacher Einreise.
Beim ersten Antrag ist ein Visum auf ein Jahr möglich, beim zweiten
schon auf zwei Jahre, und danach auf mehrere Jahre.
Wer finanziert
die Wahhabiten in Bosnien?
Die bosnische
Polizei führt seit einigen Monaten Ermittlungen über eine Gruppe von
etwa zehn Wahhabiten (Angehörigen einer besonders orthodoxen Richtung
des Islam) durch, die in Moscheen der Entität "Föderation"
(FBiH) innerhalb der Gottesdienstordnung ideologische Predigten und
politische Reden halten und sich zuweilen recht aggressiv benehmen.
Die Polizei interessiert sich für die Finanzquellen und die Absichten
der Gruppe. Der Rijaset, das höchste Organ der Islamischen Gemeinschaft,
hat bereits vor Monaten eine Resolution verabschiedet, wonach niemand
ohne Zustimmung der Islamischen Gemeinschaft Vorträge oder religiöse
Reden halten darf. Husein ef. Smaijiæ, der Mufti von Sarajevo, behauptet,
der Rijaset kontrolliere die Wirkung der Wahhabiten. |