Politik


JUGEND

--------- September 2010 --------

DAAD-Stipendien
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Bonn bietet bosnischen Studenten, Doktoranden, Universitätsprofessoren, jungen Forschern und ehemaligen Studenten aus BIH Stipendien für das Studienjahr 2011/2012 an. Das Programm umfasst Postdiplomstudien, Arbeitsaufenthalte und Praxis in Deutschland. Anträge auf DAAD-Stipendien und andere Studien- und Forschungsbereiche für das nächste Jahr sind jeweils bis 15. November bei der Deutschen Botschaft in Sarajevo einzureichen.

--------- Juli - August 2010 --------

Wozu wählen? fragen sich junge Bosnier
Eine Umfrage der Bürgervereinigung "Don" im bosnischen Kanton Una-Sana (im Nordwesten des Landes) ergab: 80 % der Jugendlichen wollen an den Wahlen im Oktober nicht teilnehmen - weil sie der Ansicht sind, dass sie im Wesentlichen ohnedies nichts ändern können. Die jungen Leute sind zwar unzufrieden mit der Situation in Politik und Gesellschaft, aber eine realistische Aussicht, dass sich durch Wahlen etwas verändert, sehen sie nicht: Vor den Wahlen fühlen sie sich von Politikern umworben, danach im Stich gelassen. Hauptpunkte der Unzufriedenheit: Bildungssystem und Arbeitsmarkt sind nicht im Einklang, es fehlen Institutionen und Maßnahmen zur Unterstützung der Jugendlichen und der talentierten Kinder, es fehlen auch die Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption und Jugendkriminalität. Aus der Befragung wird die Schlussfolgerung gezogen, dass zur Lösung des brennenden Problems der Jugendarbeitslosigkeit das Bildungssystem geändert werden muss - andernfalls folgt auf den Schulabschluss der Weg zum Arbeitsamt.

Was meinten Sie eigentlich mit "Jugendpolitik"?
In den letzten vier Jahren haben rund 100.000 Jugendliche ihr Heimatland BiH verlassen, meldet der Jugendrat der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS): keine Arbeit, keine Wohnung, keine Mittel für einen selbständigen Start ins Leben - kurzum, trübe Aussichten in Bosnien. Von den 63 Gemeinden in der RS haben sich 35 nicht einmal die Mühe gemacht, Jugendpolitik überhaupt zu definieren - obwohl dies gesetzliche Pflicht ist. Es gibt Gemeinden, die haben gar kein Budget für die Jugend - oder, falls es vorhanden ist, finanzieren sie Dinge, die mit Jugendlichen nichts zu tun haben.

--------- Januar 2010 --------

Platz 2661 für die Universität von Sarajevo
Die spanische Forschungsgruppe "Cybermetrics Lab" hat die Internet-Präsenz der wissenschaftlichen Arbeiten von 6000 Universitäten der Welt studiert. Ziel des Projekts war es, zur Promotion von wissenschaftlicher Forschung beizutragen und das Niveau der technologischen und wissenschaftlichen Errungenschaften innerhalb und außerhalb Europas zu erhöhen. Einer von mehreren Indikatoren der Analyse war die Zahl der Web-Seiten der Bildungsinstitutionen, die von den vier größten Internet-Suchmaschinen vermerkt werden. Demnach nimmt unter 6000 Universitäten die Uni von Sarajevo Rang 2661 ein, Mostar Rang 3887, Zenica Rang 4613 und Banja Luka Rang 5006.

Serbisch-orthodoxe Gymnasien
Nach katholischem Vorbild soll es ab dem kommenden Schuljahr in der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS) "serbisch-orthodoxe Gymnasien" geben, und zwar vier Stück - in Banja Luka, in Bijeljina, in Ost-Sarajevo und in Trebinje. Laut RS-Premierminister Dodik
werden diese Schulen "Teil des integrierten System der Mittelschulausbildung auf RS-Niveau sein, nicht ausschließlich von der orthodoxen Kirche verwaltete religiöse Schulen".

--------- November 2009 --------

Die meisten jungen Leute leben zusammen mit den Eltern
Von den rund 218.000 Siebzehn- bis Dreißigjährigen in der bosnischen Entität „Republika Srpska“ (RS) leben 185.000 bei den Eltern (das sind 85 %), und nur 21 % von ihnen haben eine Beschäftigung. Diese Altersgruppe ist unter allen Beschäftigten in der RS nur mit 8,5 % vertreten. Unter den arbeitslosen Jugendlichen wiederum haben 78,6 % überhaupt keine Arbeitserfahrung. Der Bericht „Jugendpolitik 2010-2015“ dient dem RS-Ministerium für Familie, Jugend und Sport als Grundlage für weitere Arbeit: "Ziel ist es, brennende Fragen der Jugendlichen - Bildung, Beschäftigung, Wohnung - zu lösen. Durch Subventionen an die Arbeitgeber hat unser Ministerium in den Jahren 2008 und 2009 Arbeitsplätze für 684 junge Leute gefunden, es wurden Subventionen für 500 Wohnungskredite bewilligt", sagt ein Sprecher des Ministeriums.

Spanien finanziert Programm für Jugendliche
"Etwa 60 & der Jugendlichen (zwischen 15 und 24 Jahren) in Bosnien & Herzegowina (BiH) sind arbeitslos - viermal mehr als der EU-Durchschnitt beträgt. Wegen der Weltwirtschaftskrise wird diese Zahl noch steigen", sagte der spanische Botschafter in BiH, Alejandro Enrique Alvargonzalez San Martín, bei der Präsentation eines Programms der UN,  das jungen Leuten wirksame Hilfe leisten will, sodass sie im Land zu bleiben gewillt sind. Das von der spanischen Regierung  finanzierte 6-Millionen-Dollar-Programm ist auf drei Jahre angelegt und zielt auf "die Erhöhung von Kapazitäten des Bildungssystems und der lokalen Gemeinschaften, um Jugendliche besser beschäftigungsfähig zu machen", wie Sredoje Noviæ, Minister für Zivilangelegenheiten in BiH, es ausdrückte.

--------- August 2009 --------

Mehr als 50 Prozent Jugendliche arbeitslos
Mehr als die Hälfte der Jugendlichen in Bosnien & Herzegowina ist arbeitslos - viermal mehr als der EU-Durchschnitt. Das UN-Koordinationsbüro in Sarajevo hat nun die Umsetzung eines 5,9-Millionen-Dollar-Programms zur Jugendbeschäftigung angekündigt. Die spanische Regierung hat die Finanzierung zugesagt. In den nächsten drei Jahren werden sich fünf Büros des UN-Teams in BiH um die Realisierung kümmern.
"Das BiH-Bildungssystem bietet den Jugendlichen keine adäquate Vorbereitung auf das Berufsleben an. Die Mehrheit der Jugendlichen schließt eine Mittelfachschule ab und spezialisiert sich rasch in Fächern, nach denen es kaum Nachfrage gibt", sagt der UN-Koordinator. "Ein Problem ist auch der Arbeitsschwarzmarkt - jede fünfte beschäftigte junge Person hat keinen Arbeitsvertrag mit dem Arbeitsgeber abgeschlossen."

Ganze Familien studieren an Privatfakultäten
Studenten an den Privathochschulen der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS) studieren durchschnittlich 2,67 Jahre und haben bessere Durchschnittsnoten als Studenten an den staatlichen Fakultäten, die im Schnitt 5,34 Jahre lang brauchen, um mit dem Studium fertig zu werden. Laut Jahresbericht der Abteilung für Hochschulausbildung des RS-Bildungsministeriums ist ein Viertel aller Studenten in der RS an den Privatfakultäten zu finden. "Es gibt sogar Fälle, da sind die Eigentümer einer Fakultät Studenten im eigenen Haus. Nicht selten absolvieren ganze Familien ein Studium an einer privaten Fakultät."
Da am Arbeitsamt der RS-Hauptstadt Banja Luka keine Listen nach Bildungsinstitutionen geführt werden, sondern nur nach erlerntem Beruf, haben Absolventen privater und staatlicher Hochschulen die gleichen Chancen. "Den Arbeitnehmern ist es meistens egal, wo ein potenzieller Arbeitnehmer studiert hat, viel wichtiger ist praktische Arbeitserfahrung."

Keine Kultur der Religionen in der Schule
Zwar waren mehr befragte Schüler, Eltern und Lehrer dafür (nämlich 41 Prozent) als dagegen (nämlich 33 Prozent), aber das genügte nicht: Das geplante Schul-Sonderfach "Kultur der Religionen" wird nun doch nicht eingeführt. So hat es das Bildungsministerium der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS) entschieden. Das Thema der Kultur der Religionen soll statt dessen in das Schulfach "Demokratie und Menschenrechte" eingebaut werden, in Mittelfachschulen in der dritten Klasse, in Gymnasium und Kunstschulen in der vierten Klasse. Als Experiment war das Fach "Kultur der Religionen" im Schuljahr 2008/2009 in allen ersten Klassen von Mittelschulen gelaufen, mit kontroversen Reaktionen. "Die Autoren des Lehrbuchs hatten keine Ahnung von Religion", sagt der orthodoxe Priester Krstan Dubravac aus Banja Luka, "sie schrieben über Orthodoxe, Katholiken und Muslime unrichtige Dinge. Wenn das Schulfach nun also nicht eingeführt wird, lernen die Schüler wenigstens weniger falsche Dinge."

--------- Juni 2009 --------

Lehrer ohne Diplom
Das Bildungswesen in Bosnien & Herzegowina ist ein eigenes, leidiges Kapitel. Aus der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS) wurde bekannt, dass dort 608 Lehrer arbeiten, die kein Diplom aufweisen können. "In unserer Schule sind es neun", sagt Grundschuldirektor Nedo Pekeljevic aus Stanari (bei Doboj), "das Bildungsministerium hat die Beschäftigung dieser Leute bewilligt. Ein Grund, warum es in den Schulen so viele Lehrer ohne Diplom gibt, ist der, dass diplomierte Lehrer nicht in Dorfschulen arbeiten wollen. Auf die Ausschreibung von Stellen in Dorfschulen melden sich einfach keine diplomierten Lehrer - darum müssen wir solche beschäftigen, die zwar ein Lehrerstudium absolviert haben, aber eben ohne Diplom."

--------- Mai 2009 --------

Neue Fakultäten
Die Universität von Banja Luka ist um zwei Fakultäten größer geworden: Philologie und Politische Wissenschaften. Sie waren bisher in der Fakultät für Philosophie integriert. An der Philologie-Fakultät werden Lehrstühle für serbische Sprache und Literatur und für Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch eingerichtet; geplant sind auch Lehrstühle für Spanisch und Griechisch.
Im Rahmen der Universität von Banja Luka wurde in Prijedor eine Bergbaufakultät eröffnet.

Defizitäre Berufe im Fokus
Die Universitäten der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS) wollen ab dem nächsten Studienjahr ihr Augenmerk auf Berufe lenken, für die zu wenig Interesse besteht: Physiker, Geodätiker, Elektrotechniker. Uni-Direktor Stanic stellt Stipendien, kostenlose Lehrbücher, Unterbringung in Studentenheimen und Befreiung von Schulgebühren in Aussicht.

--------- März 2009 --------

Zwischendurch mal im Ausland in die Schule
Seit "BHV Education" im Jahr 2002 in BiH tätig geworden ist, haben rund 3000 Mittelschüler und Studenten dieses Programm zu Auslandsaufenthalten im Rahmen ihrer Studienausbildung nützen können. "BHV Education" sichert allen Teilnehmern (es müssen ordentliche Studenten sein, mit Pass und Index) Einschreibung in die Schule, Unterkunft in einer Familie, Krankenversicherung und Reisekostenersatz zu.

--------- Oktober / November 2008 --------

Goethe-Institut wählte sieben bosnische Partnerschulen aus
Sieben Schulen sind aus einem Wettbewerb von insgesamt 73 bosnischen Schulen als "Partner Deutschlands" hervorgegangen. Kriterien des Projekts, das vom Goethe-Institut in Sarajevo abgewickelt wurde, waren die bisherige Arbeit, die Qualität des Unterrichts in deutscher Sprache und die Bereitschaft von Direktoren und Deutschlehrern zur Zusammenarbeit. Im Rahmen dieses Projektes sind Stipendien für besonders fleißige Schüler, Aufenthalte in Sprachcamps in Deutschland, die Teilnahme an der internationalen Olympiade in deutscher Sprache und eine multimediale Plattform für das Lernen im Internet vorgesehen. Die erfolgreichen bosnischen Schulen sind das Gymnasium "Filip Vi¹njiæ" in Bijeljina, das Gymnasium von Bosanska Krupa, das Gymnasium "Dr. Miroslav Kamariæ" in Graèanica, die Mittelfachschule "Silvije Strahimir Kranjèeviæ" in Livno, die Grundschule "Æamil Sijariæ" in Nemila, die Elektrotechnische Schule in Tuzla und das Erste Gymnasium in Zenica. Die Diplome wurden vom deutschen Botschafter in BiH, Joachim Schmidt, und der Direktorin des Goethe-Instituts in Saraevo, Petra Reimond, überreicht.

Deutsche Hilfe für bosnische Jugendliche
Ein Memorandum über Verständigung und Zusammenarbeit bei der Implementierung von Projekten zur Unterstützung und Entwicklung auf dem Jugendsektor in BiH ist in Sarajevo unterzeichnet worden. Partner des Übereinkommens waren der BiH-Minister für Zivilangelegenheiten, Novic, und die für Jugendarbeit zuständige Managerin Rubina Esmail-Arnd vom GTZ (Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit). Das Memorandum gründet sich auf ein Rahmenabkommen über technische Zusammenarbeit zwischen BiH und Deutschland und die Förderung der Strukturen auf dem Jugendsektor.

--------- August 2008 --------

Jugendbeschäftigung: Subventionen an Arbeitsgeber
In der bosischen Entität "Republika Srpska" (RS) hoffen rund 37.000 Personen im Alter von 18 bis 30 Jahren, dass ihnen die Subventionen des zuständigen Ministeriums an die Arbeitsgeber zwecks Jugendbeschäftigung auch wirklich zugute kommen. Erstmals verfügt das Ministerium für Familie, Jugend und Sport über einen Extra-Fonds von 2 Millionen Mark (KM), um jungen Leuten zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen: Arbeitsgeber, die einen Jugendlichen mit Mittelschulausbildung beschäftigen, erhalten 2500 KM; bei Hochschulausbildung sind es 3000 KM. Das Arbeitsverhältnis muss vertraglich auf mindestens drei Jahre fixiert werden.
Hoffentlich wirkt es. Beim Internationalen Jugendtag in der RS-Hauptstadt Banja Luka wurden laut UN-Büro in BiH folgende Zahlen ins Treffen geführt: 58 % der Jugendlichen in BiH sind arbeitslos, 62 % möchten das Land verlassen. Die komplexe Struktur des Bildungssystems vergrößere die kulturelle und ethnische Isolation, hieß es, und das Bildungssystem stehe auch nicht im Einklang mit den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes.

--------- Juli 2008 --------

Chaotische Hochschulausbildung
Das Parlament der bosnischen Entität "Föderation" (FBiH) hat die Berichte über die Situation an den privaten Hochschulen und über die Anwendung der Bologna-Prinzipien erörtert. Die Situation wurde als chaotisch beurteilt: An 96 Fakultäten fehlen 52 % des Lehrpersonals. Fakultäten werden in Cafés und in Kinosälen eröffnet, und die Kantone arbeiten nicht mit der FBiH zusammen: Sie erlauben keine Inspektionen. Fazit: Die Bologna-Prinzipien werden nicht richtig umgesetzt, und es ist fraglich, ob Diplome von solchen Fakultäten überhaupt gültig sind.

--------- Juni 2008 --------

Interesse an Ausbildung zum Tischler
In Prijedor bei Banja Luka kann nach langer Zeit wieder ein altes Gewerbe gründlich und auf neuestem Stand erlernt werden: 24 Schüler haben sich an der Maschinenschule in der neu geschaffenen Richtung "Techniker der Holzfinalbearbeitung" eingeschrieben - das heißt, sie erlernen die Tischlerei. Ein Gewerbe, nach dem seit einiger Zeit wieder Nachfrage besteht... Die Schulung dauert vier Jahre und kann danach an der Fakultät fortgesetzt werden. Allen Schülern wird ein Praktikum in holzverarbeitenden Betrieben, Weiterbildung und Besuche von Fachmessen ermöglicht. Die Betriebe selbst begrüßen und unterstützen die neue Ausbildungsrichtung an der Fachschule.

Studiengebühren unverändert
Weil der Lebensstandard der Bürger nicht besser geworden ist, werden die Studiengebühren an den beiden öffentlichen Universitäten der bosnischen Entität "Republika Srpska" gemäß dem Vorschlag des Senats im kommenden Studienjahr nicht erhöht. Sie betragen also weiterhin zwischen 385 Mark (Sport-Fakultät) und 1.500 Mark (Studienrichtung Fernsehen). Für Medizin und Kunst sind bis zu 660 Mark zu bezahlen.

58,5 % de Jugendlichen sind arbeitslos

Die Arbeitslosigkeit unter den Sechzehn- bis Dreißigjährigen ist in BiH viermal so groß wie in den EU-Ländern - sie beträgt 58,5 Prozent! Aber auch auf der Seite der Beschäftigten gibt es problematische Seiten: Jeder vierte Jugendliche verrichtet eine Arbeit, für die er nicht ausgebildet ist; jeder fünfte Jugendliche hat keinen Arbeitsvertag abgeschlossen. Junge Leute in BiH, de einen Job haben, arbeiten meistens als Kellner, Händler, Lehrer oder Handwerker. "Jugendlichen wird bei der Beschäftigung der Vorzug gegeben", sagt Miroslav Vukajloviæ, Direktor der Agentur "Spektar" für Arbeitsvermittlung, "aber es gibt auch viele, die gar nicht arbeiten wollen. Außerdem ist Schwarzarbeit ein großes Problem, und es fehlt der Wunsch, dagegen zu kämpfen."

-------- Oktober und November 2007 --------

Erfolg der privaten Mittelschulen
Ein anderes - nämlich korrekteres - Verhältnis der Professoren zu ihren Schülern, mehr Praktikum, moderne Lehr- und Lernmethoden, bessere Arbeitsbedingungen, Reisen - das sind einige der Gründe, warum private Mittelschulen in der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS) immer mehr Zulauf haben. In der RS gibt es zwei solcher Institute: das Katholische Gymnasium und die Handelsmittelschule, beide in der Hauptstadt Banja Luka.
"Das Interesse an der Einschreibung in unserer Schule wird immer größer", sagt Ivica Bo¾inoviæ, der Direktor des Katholischen Gymnasiums, das übrigens Schülern aller Konfessionen offensteht. "Im Lehrplan gibt es geringe Unterschiede zu staatlichen Gymnasien. Bei uns gibt es die Fächer ,Religionsunterricht’ und ,Moral und Ethik’. Den Religionsunterricht besuchen die katholischen Schüler, das sind 27 Prozent; die anderen gehen in ,Moral und Ethik’."
Auch Jagoda Mladenoviæ, die Direktorin der Handelsmittelschule, betont, dass der Lehrplan der gleiche ist wie in einer öffentlichen Schule, daneben gebe es aber noch spezielle Fächer wie etwa ,Lebenskultur’, Psychologie, Kunstgeschichte, Geschichte der Religionen. "Privatschulen sind nicht ein Privileg der Reichen. Viele Eltern haben da eine neue Qualität erkannt, und sie gönnen das ihren Kindern." Die Jahresschulgebühr beträgt 1700 Mark, inklusive Lehrmaterialien, Lehrbücher, zusätzlicher Unterricht und außerschulische Aktivitäten, sagt Mladenoviæ.

-------- Juli 2007 --------

Schulfach Business
Nach einer Vereinbarung zwischen der Agentur für Klein- und Mittelbetriebe und der Pädagogischen Anstalt RS (Republika Srpska) wird ab dem nächsten Schuljahr das Unternehmerwesen als Unterrichtsfach gefördert und systematisiert, ab dem Schuljahr 2008/09 wird auch ein modernes Lehrbuch nach westlichem Modell eingeführt.
Das Fach "Einführung in das Unternehmerwesen" ist im vorigen Schuljahr in den Abschlussklassen der Mittelschulen gelehrt worden, doch entsprach das Programm nicht den Bedürfnissen, und es gab auch kein Lehrbuch. Eine Untersuchung zeigte, dass zwar verschiedene Teilbereiche des Business vermittelt wurden, ein systematisches Wissen aber, wie man es im Geschäftsleben braucht, fehlte.

Streit um Studiengebühren vertagt
Die Studenten aus Banja Luka halten an ihrer Forderung, dass die Studiengebühren an den beiden öffentlichen Universitäten Banja Luka und Ost-Sarajevo auf das Vorjahrsniveau - das heißt, 400 bis 700 Mark - reduziert werden, fest. Den Vorschlag von Universität und Regierung, Gebühren zwischen 570 und 830 Mark einzuheben, lehnen die Studenten ab. "Ihr eigener Lebensstandard und der ihrer Eltern erlauben keine Erhöhung der Studiengebühren über das Vorjahrsniveau hinaus", argumentieren Studentenvertreter. Derzeit betragen die Studiengebühren 440 bis 600 Mark. Ursprünglich war eine Erhöhung auf 700 bis 1000 Mark geplant gewesen.
Mittlerweile sind die Studenten mit dem Rektor überein gekommen, dass es bis Jahresende bei den alten Gebühren bleibt. Dann will man eine Kompromisslösung finden.

-------- Mai 2007 --------

Uni Banja Luka will höhere Studiengebühren
Die Studiengebühren in Banja Luka, der Hauptstadt der sogenannten "Republika Srpska" (RS), betragen derzeit durchschnittlich 450 Mark - wenn es aber nach den Rektoren der RS-Universitäten geht, wird es bald erheblich teurer: "Nicht unter 1000 Mark", so lautet die Forderung, "denn die Universitäten befinden sich in einer schwierigen finanziellen Lage." Stanko Staniæ, Rektor der Uni Banja Luka, nennt Schulden von 1 Million Mark bei der Stadtgemeinde - allein wegen des Heizkraftwerks... Studentenvertreter erklärten, sie würden eine Erhöhung der Studiengebühren nicht akzeptieren, im Gegenteil: Das Studieren müsse billiger werden. RS-Kultusminister Anton Kasipoviæ äußerte sich dazu ebenfalls: Über eine Erhöhung der Studiengebühren könne höchstens im Kontext einer qualitativen Verbesserung des Unterrichts geredet werden, nicht aber etwa einer Lohnerhöhung für Professoren...

Neues Hochschulgesetz auf dem Weg zu Bologna-Prinzipien
Ein neuer, von der Verfassungsrechtskommission des BiH-Parlaments bereits verabschiedeter Gesetzesentwurf über Hochschulausbildung sieht die Gründung eines Büros für Akkreditierung in BiH vor. Dieses Büro wird den Hochschulen Normen und Standards vorschreiben. Die Behörden der bosnischen Entitäten und Kantone stellen Zertifikate für die Arbeit der Universitäten aus, und der Staat soll diese entziehen können, wenn die vorgeschriebenen Normen nicht erfüllt werden. Die Gründer sind für die Finanzierung der Universitäten verantwortlich - in der Entität "Republika Srpska" ist es diese selbst, in der anderen Entität, der "Föderation", sind es die Kantone. Der Staat auf gesamtbosnischem Niveau soll wissenschaftliche Arbeiten finanziell unterstützen. Parteien wie HDZ und HDZ 1990 wollten eine Finanzierung der Universitäten auf staatlichem Niveau, wurden aber letztlich überstimmt.
Das neue Gesetz ist Voraussetzung für die Anwendung des Bologna-Abkommens in BiH. De Bologna-Prinzipien werden es bosnischen Studenten ermöglichen, während des Studiums die Universität zu wechseln und sogar im Ausland weiter zu studieren, unter Anerkennung aller bestehender Prüfungen. Auch Diplome von BiH-Universitäten werden dann international anerkannt.

-------- April 2007 --------

Gesetz über Hochschulausbildung
Douglas Davidson, Chef der OSZE-Delegation in BiH, hat dem RS-Premierminister Milorad Dodik gegenüber die Verabschiedung des Gesetzes über Hochschulausbildung und Integration der Universitäten in der Republika Srpska begrüßt. Er betonte die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes auf gesamtbosnischem Niveau im Einklang mit den Bologna-Prinzipien.

-------- Dezember 2006 --------

Weg mit dem politischen Einfluss auf die Schulen
Douglas Davidson, derzeit Chef der OSZE-Mission in Bosnien, hat kritisiert, dass die Schule im Land nicht von der Politik freigehalten werden und politische Parteien Einfluss auf die Ernennung von Schulausschüssen und Schuldirektoren nehmen. Der OSZE-Bericht über "Schulausschüsse in BiH" sieht die eigentliche Rolle solcher Ausschüsse - nämlich repräsentative demokratische Organe zu sein, die Informationen an Lehrer und Eltern geben - in BiH nicht verwirklicht: "In der Republika Srpska sind die politischen Parteien direkt an der Ernennung der Schuldirektoren beteiligt, und in der anderen Entität, der Föderation, haben wir noch immer zwei Direktoren unter einem Dach - auch das ist eine Folge des Einflusses der politischen Parteien."
An einer Lösung des Problems sollten sich nach Meinung der OSZE Schulausschusse, Medien, Schuldirektoren, Eltern, NGOs und internationale Donatoren gemeinsam beteiligen, denn "Schulausschüsse sind die ersten Aspekte einer Eingliederung der Zivilgesellschaft in die Schulleitung". Da heute viele Ausschussmitglieder selbst mangelhaft gebildet sind, sei viel Raum für politische Manipulation offen.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen arbeitslos
Erschreckende 54 Prozent beträgt die Arbeitslosenquote der Fünfzehn- bis Neunundzwanzigjährigen in Bosnien - zweimal höher als bei älteren Personen. Davorin Paveliæ, Autor einer Studie über Jugendbeschäftigung in BiH, bezeichnet das Bildungssystem als gestört und somit Quelle der meisten Probleme: "Die Jugendlichen haben keine Möglichkeit, die Arbeitserfahrung zu sammeln, die sie brauchen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen."
Die Kommission zur Koordinierung von Jugendfragen in BiH hat gemeinsam mit den im Land tätigen italienischen NGOs einen Runden Tisch zu diesen Fragen abgehalten. Anwesend waren auch bosnische Behördenvertreter.

Jeder fünfte junge Bosnier denkt über Selbstmord nach
Jeder dritte junge Mensch in Bosnien konsumiert manchmal, ständig oder oft Alkohol, 8,4 Prozent haben Marihuana geraucht, fast jeder Fünfte denkt zuweilen über die Sinnlosigkeit des Lebens und über Selbstmord nach, mehr als ein Drittel verbringt viel Zeit in Wettbüros und Spielhallen... Drogen, Alkoholismus, ein geändertes Wertesystem sind die Faktoren, denen sich die Psychologen bei einer repräsentativen Befragung von rund 1500 Jugendlichen (13 bis 18 Jahre) in der "Republika Srpska" (RS) am häufigsten gegenübersahen. Die Untersuchung wurde im Rahmen des Projekts "Gesellschaft inakzeptables Verhalten von Jugendlichen in der RS" durchgeführt. Branko Milosavljeviæ, der Vorsitzende des RS-Psychologen-Verbandes, empfiehlt dringend die Anwesenheit von Psychologen an den Schulen des Landes.

Lehrbücher sind total veraltet
Die Pädagogische Anstalt der "Republika Srpska" (RS) hat ihrem Kultusministerium in aller Bescheidenheit vorgeschlagen, doch einmal neue Lehrbücher - vor allem in den Fächern Geographie und Geschichte - in Auftrag zu geben: Das derzeitige Material sei veraltet und inhaltlich wie methodisch von schlechter Qualität. "Die Leute beschweren sich bei uns", so ein Vertreter der Pädagogischen Anstalt. "Man muss alles abändern, von der Schreibweise bis zum Inhalt."

-------- Oktober 2006 --------

Das Schulsystem muss sehr dringend reformiert werden
Rund 40 Prozent der Schüler in Bosnien & Herzegowina bekommen die Grundkenntnisse nicht vermittelt. Es gibt auch viele Schüler, die in teure Fachschulen eingeschrieben wurden und die Schule sogar abschließen - aber sie sind auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes nicht vorbereitet. Eine Analyse der Weltbank nennt das Ergebnis der Schulausbildung in BiH „unannehmbar niedrig" - dabei gibt BiH mehr Geld als andere südosteuropäische Länder für die Schulausbildung aus! Die Einschreibungsquoten an Mittelschulen und Universitäten sind noch immer hoch. Die Fakultäten erlauben den Studenten, sehr lange zu studieren, bis sie zum Diplom kommen. Das wird alles aus dem Budget finanziert.
Die Struktur des ganzen Bereichs der Ausbildung sei, so heißt es in de Weltbank-Analyse, „komplex und unwirksam" und ungleichgewichtig: Bei den allgemeinen Ausgaben für die Ausbildung nehmen die Löhne den größten Brocken ein: 80 Prozent. Damit kommen Investitionen in die schulische Infrastruktur und in die Weiterbildung der Lehrer zu kurz, mit negativen Folgen für die Ausbildung.
Die Analyse der Weltbank hat auch einige Rezepte zur Bewältigung dieser Probleme parat:
Erstens den politischen Willen dazu, sodann konkret eine Reduzierung der Lehrerzahl, eine Verminderung der Einschreibungsquote, eine Vergrößerung der durchschnittlichen Klassengröße, eine Finanzierung, die der Zahl der Schüler angemessen ist; eine Reduzierung oder Kontrolle der Lohnerhöhungen für Lehrer; eine Neu-Strukturierung der Mittelschulausbildung.
OSZE-Sprecherin Mersiha Cau¹eviæ-Pod¾iæ: „Die Schulnetze spiegeln mehr díe Politik wider als die Bedürfnisse und die Interessen der Schüler. Zuviel Personal und Bürokratie saugen das Geld für die Schulen auf. Geld, das für Computer, Lehrbücher, wissenschaftliche Laboratorien und Weiterbildung der Lehrer ausgegeben werden sollte..."

Die neuen Stipendien-Programme
Sieben deutsche Organisationen - nämlich DAAD, das Goethe-Institut und die Stiftungen „Friedrich Ebert", „Konrad Adenauer", „Heinrich Böll", „Friedrich Naumann" und „Robert Bosch" - haben vor Studenten und Personal der Universität Sarajevo ihre neuen Programme für Stipendien bzw. Studien und Praktikum in Deutschland präsentiert. Christian Kohler von DAAD: „Wir bieten ungefähr 80 Stipendien pro Jahr, in allen Bereichen. Für ein Postdiplomstudium bezahlen wir rund 1200 Euro monatlich".
Detaillierte Informationen über Bedingungen und Fristen gibt es auf den Web-Sites der genannten Organisationen.

-------- September 2006 --------

Schulfach "Bosnische Sprache"
In zwei Mittelschulen von Jajce werden bosniakische Schüler künftig „Bosnische Sprache" auf ihrem Stundenplan haben - und nicht mehr „Kroatisch". Rund 50 Prozent der Schüler des Nikola ©op-Mittelschule und der Mittelfachschule sind Bosniaken. „Ihre Eltern verlangten zunächst eine getrennte Schule, dann wenigstens einen getrennten Lehrplan, und nun ist das Unterrichtsfach 'Bosnisch' als einzige Forderung geblieben", sagt Zoran Mato¹eviæ, Stellvertretender Kultusminister des Mittelbosnischen Kantons.
Dazu OSZE-Sprecherin Mersiha Èau¹eviæ-Pod¾iæ: „Nach dem vor drei Jahren verabschiedeten Gesetz über Grund- und Mittelschulausbildung haben Schüler das Recht auf einige nationale Schulfächer, und dazu gehört auch 'Bosnische Sprache'."

-------- August 2006 --------

Internationales Abi in Banja Luka
Das „internationale Abitur" ist 1968 für Schüler, die mit ihren Familien oft übersiedeln mussten, eingeführt; ab dem nächsten Schuljahr ist es auch am Gymnasium Banja Luka möglich. „Wir haben alle Anforderungen erfüllt und die Lizenz dafür bekommen", sagt Gymnasiumsdirektorin Slavica Ivo¹eviæ Nje¾iæ. Das Lehrprogramm gibt einheimischen Schülern die gleichen Grundlagen für die Inskription an Hochschulen außerhalb BiH, wie sie Schüler aus der ganzen Welt haben. Das Kultusministerium der BiH-Entität „Republika Srpska" und die Stadt Banja Luka stellen dafür je 75.000 Mark (KM) zur Verfügung. Die Schüler selbst kostet das "internationale Abi" monatlich 200 Mark - und zwar zwanzig Monate lang!

Wenig Internet an Mittelschulen
Im Bereich von Banja Luka gibt es derzeit keine Mittelschule, die über Computer mit ständigem Internet-Anschluss verfügt. Überhaupt benutzen nur vier Prozent der Mittelschüler regelmäßig das Internet. Vorgetragen wurden diese Fakten bei einer Fachdiskussion im Rahmen der Kampagne „Europa wartet nicht", die sich die Förderung des Zugangs von Jugendlichen/Schülern zur modernen Informations- und Kommunikationstechnologie zur Aufgabe gemacht hat. Ðorðe Ðurðeviæ, der das Projekt koordiniert, blickt neidvoll in die Nachbarländer: „In Kroatien, Serbien und Slowenien hat man Druck auf die zuständigen Ministerien ausgeübt, dort wurden schließlich 30 Millionen Mark investiert, um alle Mittelschulen mit Internet-Anschluss rund um die Uhr zu versorgen."
Aus der BiH-Hauptstadt Sarajevo gibt es zu diesem Thema ebenfalls Ernüchterndes: 37 % der Mittelschulen des Landes haben nur einen einzigen Computer, der Lehrern und Schülern dient, und viele Schulen haben gar keinen. Laut Umfragen, deren Ergebnisse im Rahmen der Kampagne „Informatik an den Mittelschulen" vorgestellt wurden, haben 30 % der Mittelschulen in BiH keinen Internet-Anschluss, 60 % haben keine E-Mal, 81 % keine eigene Web-Site.


Warten auf neues Hochschulgesetz
Die Reform der Hochschulausbildung in BiH kann im neuen Schuljahr 2006/07 noch nicht verwirklicht werden, weil der Gesetzesentwurf dafür jedenfalls zu spät ins Parlament kommt. Auch wenn der Entwurf rechtzeitig verabschiedet worden wäre, bräuchten die Kantone immer noch einige Zeit, um ihre eigenen Gesetze mit dem staatlichen Gesetz in Einklang zu bringen. Indessen liegen von verschiedenen Seiten Abänderungsanträge vor, und die Verfassungskommission hat dem Repräsentantenhaus noch nicht ihre Meinung über das neue Hochschulgesetz mitgeteilt. Die bosnischen Kroaten fordern Regelungen auf staatlicher Ebene, die bosnischen Serben wollen die Ebene der Entitäten. „Da ist schwer ein Kompromiss zu finden“, sagt Srðan Arnaut vom Ministerium für zivile Angelegenheiten.

Bologna-Prinzipien an RS-Universitäten
Vom heurigen Wintersemester an werden die Studenten der beiden Universitäten der bosnischen Entität „Republika Srpska“ (RS) allmählich auf ein neues Studiensystem umsteigen, das im Einklang mit den sogenannten Bologna-Prinzipien steht. Bis Oktober 2007 soll der Übergang zur neuen Ordnung abgeschlossen sein. Alle Studenten werden dann die Sozialversicherung bekommen. Die Prüfungen werden sich auf 1 Semester beziehen, und die Studenten müssen im Laufe eines Studienjahrs 60 Punkte sammeln. Die einzelnen Fakultäten werden in Universitäten vier großer Bereiche integriert: Soziale, medizinische, Natur- und technische Wissenschaften.
Neu ist auch die Möglichkeit zur Mobilität: Wer etwa ein Semester in einem Land studieren möchte, das die Bologna-Deklaration unterzeichnet hat, dem wird dieses Semester anerkannt.


Kein Minirock, kein Dekolleté in der Ökonomieschule

Miniröcke und tief dekolletierte Blusen sind bei den Schülerinnen der Ökonomieschule in Banja Luka in den Unterrichtsstunden verboten, die Schminke muss diskret sein, das Haar gebunden. Ab dem nächsten Schuljahr könnten auch andere Mittelschulen diese Bestimmungen übernehmen. Ein schriftliches Gesetz über Bekleidung in den Bildungsanstalten gibt es derzeit allerdings nicht. „Dem Kultusministerium wurden diesbezüglich keine Initiativen unterbreitet“, sagt Du¹ka Goliæ, Sprecherin des Ministeriums in der BiH-Entität „Republika Srpska“, „und wenn es dazu käme, würde man zuerst eine Umfrage unter Schülern, Eltern und Lehrern durchführen.“

Wenn junge Bosnier die Wahl hätten...
Arbeit zu haben und ohne Visum reisen zu dürfen, das sind die Prioritäten von bosnischen Jugendlichen - falls sie sich etwas wünschen dürften. In 75 BiH-Gemeinden haben insgesamt 6053 junge Leute an den Jugendwahlen „Stimme ab und wähle aus“ teilgenommen. Aus sieben Problemen konnten sie vier nach Priorität reihen. Veranstalter war die „Jugendinitiative für Wahlen“, die aus 15 Jugend-NGOs besteht.
Auf Platz 3 kam das Wohnungsproblem, es folgen die Modernisierung des Bildungssystems, der Beitritt Bosniens zur EU, eine stärkere Teilnahme Jugendlicher am politischen Leben sowie - auf dem letzten Platz - die Befriedigung von kulturellen Bedürfnissen.

-------- April 2006 --------

Ein Drittel der Jugend ist arbeitslos
Hauptmotiv für den Wunsch von 70 % der bosnischen Jugend, ins Ausland zu gehen, ist die Arbeitslosigkeit im eigenen Land. Tatsächlich sind heute 179.000 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 30 Jahren arbeitslos - das sind 34,9 Prozent! Für 19- bis 25jährige ist es offenbar besonders schwer, einen bezahlten Job zu finden. Da ist es kein großer Trost, dass es in Nachbarländern wie Kroaten (33 % arbeitslos) und Makedonien (30,8 %) auch nicht besser aussieht. Das Ministerium für Zivilangelegenheiten fühlt sich alarmiert, stellt Beschäftigungsprojekte in Aussicht und hofft auf die Hilfe von Donatoren.

Südosteuropa in der Schule
In Brüssel haben Vertreter des „Zentrums für Demokratie und Versöhnung auf dem Balkan“ (Sitz in Saloniki) vier neue Lehrbücher für das Schulfach Geschichte vorgestellt. Die Idee ist, dass diese Lehrbücher als Ergänzungsmaterial in den Grund- und Mittelschulen aller südosteuropäischen Länder verwendet werden sollen. Die vier Themen: Nationen und Staaten in Südosteuropa, Balkankriege, Osmanisches Reich, Zweiter Weltkrieg. Schüler/innen in Bosnien & Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Serbien & Montenegro, Kosovo, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Makedonien, Zypern und Türkei würden dann Wissen um ihre größere Heimat aus der gleichen Quelle schöpfen. Aus dem BiH-Ministerium für Zivilangelegenheiten in Sarajevo verlautet dazu: „An diesem Treffen haben wir nicht teilgenommen, und wir wissen darüber nichts.“

-------- März 2006 --------

20 Prozent der Mittelschüler machen keinen Abschluss
(Banja Luka) Rund 10.000 Mittelschüler der Republika Srpska - das sind 20 Prozent - machen keinen Schulabschluss. Für diese alarmierende Situation werden als Gründe genannt: Schlechte Noten (in 80 Prozent der Fälle), denn ein Schüler hat laut Gesetz nur einmal im Laufe seiner Schullaufbahn das Recht, eine Klasse zu wiederholen; sodann der Ausschluss des Schülers wegen unentschuldigter Fehltage und ungehörigen Benehmens. Auch schlechte Arbeitsgewohnheiten und Grundkenntnisse der Schüler spielen wohl eine Rolle, und in manchen Schulen soll das Lernpensum für viele einfach zu schwer sein.
„Viele von diesen zehntausend Schülern geraten in die Kriminalität, wenden sich negativen Dingen zu“, sagt der Vorsitzende des Elternausschusses, „aber schuldig sind nicht nur die Schüler, sondern auch viele Schulen, in denen ein autoritäres System und eine Schreckensherrschaft aufgebaut wurden.“
Die Direktorin des Gymnasiums von Banja Luka berichtet, dass von den 1280 Schülern ihres Instituts jährlich im Durchschnitt dreißig Schüler aus eigenem Antrieb die Ausbildung abbrechen.

OSZE: Eltern- und Kinderrat in Schulen muss stärker werden
(Sarajevo) Die in Bosnien engagierte OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) hat sich für 2006 vorgenommen, an der Stärkung des Eltern- und Kinderrats in den Schulen zu arbeiten, weil dadurch „das Bewusstsein der Wichtigkeit ihrer Teilnahme am Prozess der Verwaltung - insbesondere des Erlassens von Bescheiden - entwickelt wird“. Wörtlich heißt es im Programm für 2006: „Die Rolle der Bürger ist von besonderer Bedeutung für die OSZE, daher wird sie mit der Stärkung der demokratischen Verwaltung als eines Mittels der Förderung der heimischen Wirtschaft weitermachen. Auch die Arbeit mit jungen Leuten wird fortgesetzt, sie sollen die Wächter des Reformprozesses sein. Fortgesetzt wird auch die Arbeit auf dem Feld der Bildungsreform, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Kinder von Rückkehrern.“

Menschenhändler greifen nach Schulkindern

(Sarajevo) „Die Menschenhändler werben in Bosnien immer öfter Schulkinder an“, wurde bei einem Seminar über Menschenhandel in Sarajevo festgestellt: „Deshalb ist es nötig, im Rahmen der Lehrpläne und Ausbildungsprogramme auf dieses Problem hinzuweisen.“ Häufigste Formen der Ausnutzung sind sexueller Missbrauch, Zwangsarbeit, Pornografie. Nur das Entnehmen von Körperorganen als Form des Menschenhandels sei in BiH zum Glück noch nicht beobachtet worden, sagte der BiH-Koordinator für Menschenhandel und Bekämpfung der illegalen Immigration.

Eine Kommission für die Jugend
(Sarajevo) Die bosnische Jugend soll „koordiniert“ werden. Dafür wurde eine Kommission eingerichtet, mit dem Ziel, die Jugendpolitik in BiH zu fördern. Diese Kommission soll mit allen Regierungsinstitutionen in Partnerschaft stehen. Achtzehn Mitglieder sind vorgesehen: zehn Vertreter der NGO’s, acht Vertreter der Regierungsorganisationen. Der BiH-Ministerrat sieht diese Kommission nicht als Verbindung zwischen Jugendlichen und Behörden, sondern als eine Instanz, die - durch Vermittlung des Ministerrates - „die Lösung von brennenden Fragen der Jugendlichen in BiH initiiert“.