Politik


JUGEND

--------- Juni 2008 --------

Interesse an Ausbildung zum Tischler
In Prijedor bei Banja Luka kann nach langer Zeit wieder ein altes Gewerbe gründlich und auf neuestem Stand erlernt werden: 24 Schüler haben sich an der Maschinenschule in der neu geschaffenen Richtung "Techniker der Holzfinalbearbeitung" eingeschrieben - das heißt, sie erlernen die Tischlerei. Ein Gewerbe, nach dem seit einiger Zeit wieder Nachfrage besteht... Die Schulung dauert vier Jahre und kann danach an der Fakultät fortgesetzt werden. Allen Schülern wird ein Praktikum in holzverarbeitenden Betrieben, Weiterbildung und Besuche von Fachmessen ermöglicht. Die Betriebe selbst begrüßen und unterstützen die neue Ausbildungsrichtung an der Fachschule.

Studiengebühren unverändert
Weil der Lebensstandard der Bürger nicht besser geworden ist, werden die Studiengebühren an den beiden öffentlichen Universitäten der bosnischen Entität "Republika Srpska" gemäß dem Vorschlag des Senats im kommenden Studienjahr nicht erhöht. Sie betragen also weiterhin zwischen 385 Mark (Sport-Fakultät) und 1.500 Mark (Studienrichtung Fernsehen). Für Medizin und Kunst sind bis zu 660 Mark zu bezahlen.

58,5 % de Jugendlichen sind arbeitslos

Die Arbeitslosigkeit unter den Sechzehn- bis Dreißigjährigen ist in BiH viermal so groß wie in den EU-Ländern - sie beträgt 58,5 Prozent! Aber auch auf der Seite der Beschäftigten gibt es problematische Seiten: Jeder vierte Jugendliche verrichtet eine Arbeit, für die er nicht ausgebildet ist; jeder fünfte Jugendliche hat keinen Arbeitsvertag abgeschlossen. Junge Leute in BiH, de einen Job haben, arbeiten meistens als Kellner, Händler, Lehrer oder Handwerker. "Jugendlichen wird bei der Beschäftigung der Vorzug gegeben", sagt Miroslav Vukajloviæ, Direktor der Agentur "Spektar" für Arbeitsvermittlung, "aber es gibt auch viele, die gar nicht arbeiten wollen. Außerdem ist Schwarzarbeit ein großes Problem, und es fehlt der Wunsch, dagegen zu kämpfen."

-------- Oktober und November 2007 --------

Erfolg der privaten Mittelschulen
Ein anderes - nämlich korrekteres - Verhältnis der Professoren zu ihren Schülern, mehr Praktikum, moderne Lehr- und Lernmethoden, bessere Arbeitsbedingungen, Reisen - das sind einige der Gründe, warum private Mittelschulen in der bosnischen Entität "Republika Srpska" (RS) immer mehr Zulauf haben. In der RS gibt es zwei solcher Institute: das Katholische Gymnasium und die Handelsmittelschule, beide in der Hauptstadt Banja Luka.
"Das Interesse an der Einschreibung in unserer Schule wird immer größer", sagt Ivica Bo¾inoviæ, der Direktor des Katholischen Gymnasiums, das übrigens Schülern aller Konfessionen offensteht. "Im Lehrplan gibt es geringe Unterschiede zu staatlichen Gymnasien. Bei uns gibt es die Fächer ,Religionsunterricht’ und ,Moral und Ethik’. Den Religionsunterricht besuchen die katholischen Schüler, das sind 27 Prozent; die anderen gehen in ,Moral und Ethik’."
Auch Jagoda Mladenoviæ, die Direktorin der Handelsmittelschule, betont, dass der Lehrplan der gleiche ist wie in einer öffentlichen Schule, daneben gebe es aber noch spezielle Fächer wie etwa ,Lebenskultur’, Psychologie, Kunstgeschichte, Geschichte der Religionen. "Privatschulen sind nicht ein Privileg der Reichen. Viele Eltern haben da eine neue Qualität erkannt, und sie gönnen das ihren Kindern." Die Jahresschulgebühr beträgt 1700 Mark, inklusive Lehrmaterialien, Lehrbücher, zusätzlicher Unterricht und außerschulische Aktivitäten, sagt Mladenoviæ.

-------- Juli 2007 --------

Schulfach Business
Nach einer Vereinbarung zwischen der Agentur für Klein- und Mittelbetriebe und der Pädagogischen Anstalt RS (Republika Srpska) wird ab dem nächsten Schuljahr das Unternehmerwesen als Unterrichtsfach gefördert und systematisiert, ab dem Schuljahr 2008/09 wird auch ein modernes Lehrbuch nach westlichem Modell eingeführt.
Das Fach "Einführung in das Unternehmerwesen" ist im vorigen Schuljahr in den Abschlussklassen der Mittelschulen gelehrt worden, doch entsprach das Programm nicht den Bedürfnissen, und es gab auch kein Lehrbuch. Eine Untersuchung zeigte, dass zwar verschiedene Teilbereiche des Business vermittelt wurden, ein systematisches Wissen aber, wie man es im Geschäftsleben braucht, fehlte.

Streit um Studiengebühren vertagt
Die Studenten aus Banja Luka halten an ihrer Forderung, dass die Studiengebühren an den beiden öffentlichen Universitäten Banja Luka und Ost-Sarajevo auf das Vorjahrsniveau - das heißt, 400 bis 700 Mark - reduziert werden, fest. Den Vorschlag von Universität und Regierung, Gebühren zwischen 570 und 830 Mark einzuheben, lehnen die Studenten ab. "Ihr eigener Lebensstandard und der ihrer Eltern erlauben keine Erhöhung der Studiengebühren über das Vorjahrsniveau hinaus", argumentieren Studentenvertreter. Derzeit betragen die Studiengebühren 440 bis 600 Mark. Ursprünglich war eine Erhöhung auf 700 bis 1000 Mark geplant gewesen.
Mittlerweile sind die Studenten mit dem Rektor überein gekommen, dass es bis Jahresende bei den alten Gebühren bleibt. Dann will man eine Kompromisslösung finden.

-------- Mai 2007 --------

Uni Banja Luka will höhere Studiengebühren
Die Studiengebühren in Banja Luka, der Hauptstadt der sogenannten "Republika Srpska" (RS), betragen derzeit durchschnittlich 450 Mark - wenn es aber nach den Rektoren der RS-Universitäten geht, wird es bald erheblich teurer: "Nicht unter 1000 Mark", so lautet die Forderung, "denn die Universitäten befinden sich in einer schwierigen finanziellen Lage." Stanko Staniæ, Rektor der Uni Banja Luka, nennt Schulden von 1 Million Mark bei der Stadtgemeinde - allein wegen des Heizkraftwerks... Studentenvertreter erklärten, sie würden eine Erhöhung der Studiengebühren nicht akzeptieren, im Gegenteil: Das Studieren müsse billiger werden. RS-Kultusminister Anton Kasipoviæ äußerte sich dazu ebenfalls: Über eine Erhöhung der Studiengebühren könne höchstens im Kontext einer qualitativen Verbesserung des Unterrichts geredet werden, nicht aber etwa einer Lohnerhöhung für Professoren...

Neues Hochschulgesetz auf dem Weg zu Bologna-Prinzipien
Ein neuer, von der Verfassungsrechtskommission des BiH-Parlaments bereits verabschiedeter Gesetzesentwurf über Hochschulausbildung sieht die Gründung eines Büros für Akkreditierung in BiH vor. Dieses Büro wird den Hochschulen Normen und Standards vorschreiben. Die Behörden der bosnischen Entitäten und Kantone stellen Zertifikate für die Arbeit der Universitäten aus, und der Staat soll diese entziehen können, wenn die vorgeschriebenen Normen nicht erfüllt werden. Die Gründer sind für die Finanzierung der Universitäten verantwortlich - in der Entität "Republika Srpska" ist es diese selbst, in der anderen Entität, der "Föderation", sind es die Kantone. Der Staat auf gesamtbosnischem Niveau soll wissenschaftliche Arbeiten finanziell unterstützen. Parteien wie HDZ und HDZ 1990 wollten eine Finanzierung der Universitäten auf staatlichem Niveau, wurden aber letztlich überstimmt.
Das neue Gesetz ist Voraussetzung für die Anwendung des Bologna-Abkommens in BiH. De Bologna-Prinzipien werden es bosnischen Studenten ermöglichen, während des Studiums die Universität zu wechseln und sogar im Ausland weiter zu studieren, unter Anerkennung aller bestehender Prüfungen. Auch Diplome von BiH-Universitäten werden dann international anerkannt.

-------- April 2007 --------

Gesetz über Hochschulausbildung
Douglas Davidson, Chef der OSZE-Delegation in BiH, hat dem RS-Premierminister Milorad Dodik gegenüber die Verabschiedung des Gesetzes über Hochschulausbildung und Integration der Universitäten in der Republika Srpska begrüßt. Er betonte die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes auf gesamtbosnischem Niveau im Einklang mit den Bologna-Prinzipien.

-------- Dezember 2006 --------

Weg mit dem politischen Einfluss auf die Schulen
Douglas Davidson, derzeit Chef der OSZE-Mission in Bosnien, hat kritisiert, dass die Schule im Land nicht von der Politik freigehalten werden und politische Parteien Einfluss auf die Ernennung von Schulausschüssen und Schuldirektoren nehmen. Der OSZE-Bericht über "Schulausschüsse in BiH" sieht die eigentliche Rolle solcher Ausschüsse - nämlich repräsentative demokratische Organe zu sein, die Informationen an Lehrer und Eltern geben - in BiH nicht verwirklicht: "In der Republika Srpska sind die politischen Parteien direkt an der Ernennung der Schuldirektoren beteiligt, und in der anderen Entität, der Föderation, haben wir noch immer zwei Direktoren unter einem Dach - auch das ist eine Folge des Einflusses der politischen Parteien."
An einer Lösung des Problems sollten sich nach Meinung der OSZE Schulausschusse, Medien, Schuldirektoren, Eltern, NGOs und internationale Donatoren gemeinsam beteiligen, denn "Schulausschüsse sind die ersten Aspekte einer Eingliederung der Zivilgesellschaft in die Schulleitung". Da heute viele Ausschussmitglieder selbst mangelhaft gebildet sind, sei viel Raum für politische Manipulation offen.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen arbeitslos
Erschreckende 54 Prozent beträgt die Arbeitslosenquote der Fünfzehn- bis Neunundzwanzigjährigen in Bosnien - zweimal höher als bei älteren Personen. Davorin Paveliæ, Autor einer Studie über Jugendbeschäftigung in BiH, bezeichnet das Bildungssystem als gestört und somit Quelle der meisten Probleme: "Die Jugendlichen haben keine Möglichkeit, die Arbeitserfahrung zu sammeln, die sie brauchen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen."
Die Kommission zur Koordinierung von Jugendfragen in BiH hat gemeinsam mit den im Land tätigen italienischen NGOs einen Runden Tisch zu diesen Fragen abgehalten. Anwesend waren auch bosnische Behördenvertreter.

Jeder fünfte junge Bosnier denkt über Selbstmord nach
Jeder dritte junge Mensch in Bosnien konsumiert manchmal, ständig oder oft Alkohol, 8,4 Prozent haben Marihuana geraucht, fast jeder Fünfte denkt zuweilen über die Sinnlosigkeit des Lebens und über Selbstmord nach, mehr als ein Drittel verbringt viel Zeit in Wettbüros und Spielhallen... Drogen, Alkoholismus, ein geändertes Wertesystem sind die Faktoren, denen sich die Psychologen bei einer repräsentativen Befragung von rund 1500 Jugendlichen (13 bis 18 Jahre) in der "Republika Srpska" (RS) am häufigsten gegenübersahen. Die Untersuchung wurde im Rahmen des Projekts "Gesellschaft inakzeptables Verhalten von Jugendlichen in der RS" durchgeführt. Branko Milosavljeviæ, der Vorsitzende des RS-Psychologen-Verbandes, empfiehlt dringend die Anwesenheit von Psychologen an den Schulen des Landes.

Lehrbücher sind total veraltet
Die Pädagogische Anstalt der "Republika Srpska" (RS) hat ihrem Kultusministerium in aller Bescheidenheit vorgeschlagen, doch einmal neue Lehrbücher - vor allem in den Fächern Geographie und Geschichte - in Auftrag zu geben: Das derzeitige Material sei veraltet und inhaltlich wie methodisch von schlechter Qualität. "Die Leute beschweren sich bei uns", so ein Vertreter der Pädagogischen Anstalt. "Man muss alles abändern, von der Schreibweise bis zum Inhalt."

-------- Oktober 2006 --------

Das Schulsystem muss sehr dringend reformiert werden
Rund 40 Prozent der Schüler in Bosnien & Herzegowina bekommen die Grundkenntnisse nicht vermittelt. Es gibt auch viele Schüler, die in teure Fachschulen eingeschrieben wurden und die Schule sogar abschließen - aber sie sind auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes nicht vorbereitet. Eine Analyse der Weltbank nennt das Ergebnis der Schulausbildung in BiH „unannehmbar niedrig" - dabei gibt BiH mehr Geld als andere südosteuropäische Länder für die Schulausbildung aus! Die Einschreibungsquoten an Mittelschulen und Universitäten sind noch immer hoch. Die Fakultäten erlauben den Studenten, sehr lange zu studieren, bis sie zum Diplom kommen. Das wird alles aus dem Budget finanziert.
Die Struktur des ganzen Bereichs der Ausbildung sei, so heißt es in de Weltbank-Analyse, „komplex und unwirksam" und ungleichgewichtig: Bei den allgemeinen Ausgaben für die Ausbildung nehmen die Löhne den größten Brocken ein: 80 Prozent. Damit kommen Investitionen in die schulische Infrastruktur und in die Weiterbildung der Lehrer zu kurz, mit negativen Folgen für die Ausbildung.
Die Analyse der Weltbank hat auch einige Rezepte zur Bewältigung dieser Probleme parat:
Erstens den politischen Willen dazu, sodann konkret eine Reduzierung der Lehrerzahl, eine Verminderung der Einschreibungsquote, eine Vergrößerung der durchschnittlichen Klassengröße, eine Finanzierung, die der Zahl der Schüler angemessen ist; eine Reduzierung oder Kontrolle der Lohnerhöhungen für Lehrer; eine Neu-Strukturierung der Mittelschulausbildung.
OSZE-Sprecherin Mersiha Cau¹eviæ-Pod¾iæ: „Die Schulnetze spiegeln mehr díe Politik wider als die Bedürfnisse und die Interessen der Schüler. Zuviel Personal und Bürokratie saugen das Geld für die Schulen auf. Geld, das für Computer, Lehrbücher, wissenschaftliche Laboratorien und Weiterbildung der Lehrer ausgegeben werden sollte..."

Die neuen Stipendien-Programme
Sieben deutsche Organisationen - nämlich DAAD, das Goethe-Institut und die Stiftungen „Friedrich Ebert", „Konrad Adenauer", „Heinrich Böll", „Friedrich Naumann" und „Robert Bosch" - haben vor Studenten und Personal der Universität Sarajevo ihre neuen Programme für Stipendien bzw. Studien und Praktikum in Deutschland präsentiert. Christian Kohler von DAAD: „Wir bieten ungefähr 80 Stipendien pro Jahr, in allen Bereichen. Für ein Postdiplomstudium bezahlen wir rund 1200 Euro monatlich".
Detaillierte Informationen über Bedingungen und Fristen gibt es auf den Web-Sites der genannten Organisationen.

-------- September 2006 --------

Schulfach "Bosnische Sprache"
In zwei Mittelschulen von Jajce werden bosniakische Schüler künftig „Bosnische Sprache" auf ihrem Stundenplan haben - und nicht mehr „Kroatisch". Rund 50 Prozent der Schüler des Nikola ©op-Mittelschule und der Mittelfachschule sind Bosniaken. „Ihre Eltern verlangten zunächst eine getrennte Schule, dann wenigstens einen getrennten Lehrplan, und nun ist das Unterrichtsfach 'Bosnisch' als einzige Forderung geblieben", sagt Zoran Mato¹eviæ, Stellvertretender Kultusminister des Mittelbosnischen Kantons.
Dazu OSZE-Sprecherin Mersiha Èau¹eviæ-Pod¾iæ: „Nach dem vor drei Jahren verabschiedeten Gesetz über Grund- und Mittelschulausbildung haben Schüler das Recht auf einige nationale Schulfächer, und dazu gehört auch 'Bosnische Sprache'."

-------- August 2006 --------

Internationales Abi in Banja Luka
Das „internationale Abitur" ist 1968 für Schüler, die mit ihren Familien oft übersiedeln mussten, eingeführt; ab dem nächsten Schuljahr ist es auch am Gymnasium Banja Luka möglich. „Wir haben alle Anforderungen erfüllt und die Lizenz dafür bekommen", sagt Gymnasiumsdirektorin Slavica Ivo¹eviæ Nje¾iæ. Das Lehrprogramm gibt einheimischen Schülern die gleichen Grundlagen für die Inskription an Hochschulen außerhalb BiH, wie sie Schüler aus der ganzen Welt haben. Das Kultusministerium der BiH-Entität „Republika Srpska" und die Stadt Banja Luka stellen dafür je 75.000 Mark (KM) zur Verfügung. Die Schüler selbst kostet das "internationale Abi" monatlich 200 Mark - und zwar zwanzig Monate lang!

Wenig Internet an Mittelschulen
Im Bereich von Banja Luka gibt es derzeit keine Mittelschule, die über Computer mit ständigem Internet-Anschluss verfügt. Überhaupt benutzen nur vier Prozent der Mittelschüler regelmäßig das Internet. Vorgetragen wurden diese Fakten bei einer Fachdiskussion im Rahmen der Kampagne „Europa wartet nicht", die sich die Förderung des Zugangs von Jugendlichen/Schülern zur modernen Informations- und Kommunikationstechnologie zur Aufgabe gemacht hat. Ðorðe Ðurðeviæ, der das Projekt koordiniert, blickt neidvoll in die Nachbarländer: „In Kroatien, Serbien und Slowenien hat man Druck auf die zuständigen Ministerien ausgeübt, dort wurden schließlich 30 Millionen Mark investiert, um alle Mittelschulen mit Internet-Anschluss rund um die Uhr zu versorgen."
Aus der BiH-Hauptstadt Sarajevo gibt es zu diesem Thema ebenfalls Ernüchterndes: 37 % der Mittelschulen des Landes haben nur einen einzigen Computer, der Lehrern und Schülern dient, und viele Schulen haben gar keinen. Laut Umfragen, deren Ergebnisse im Rahmen der Kampagne „Informatik an den Mittelschulen" vorgestellt wurden, haben 30 % der Mittelschulen in BiH keinen Internet-Anschluss, 60 % haben keine E-Mal, 81 % keine eigene Web-Site.


Warten auf neues Hochschulgesetz
Die Reform der Hochschulausbildung in BiH kann im neuen Schuljahr 2006/07 noch nicht verwirklicht werden, weil der Gesetzesentwurf dafür jedenfalls zu spät ins Parlament kommt. Auch wenn der Entwurf rechtzeitig verabschiedet worden wäre, bräuchten die Kantone immer noch einige Zeit, um ihre eigenen Gesetze mit dem staatlichen Gesetz in Einklang zu bringen. Indessen liegen von verschiedenen Seiten Abänderungsanträge vor, und die Verfassungskommission hat dem Repräsentantenhaus noch nicht ihre Meinung über das neue Hochschulgesetz mitgeteilt. Die bosnischen Kroaten fordern Regelungen auf staatlicher Ebene, die bosnischen Serben wollen die Ebene der Entitäten. „Da ist schwer ein Kompromiss zu finden“, sagt Srðan Arnaut vom Ministerium für zivile Angelegenheiten.

Bologna-Prinzipien an RS-Universitäten
Vom heurigen Wintersemester an werden die Studenten der beiden Universitäten der bosnischen Entität „Republika Srpska“ (RS) allmählich auf ein neues Studiensystem umsteigen, das im Einklang mit den sogenannten Bologna-Prinzipien steht. Bis Oktober 2007 soll der Übergang zur neuen Ordnung abgeschlossen sein. Alle Studenten werden dann die Sozialversicherung bekommen. Die Prüfungen werden sich auf 1 Semester beziehen, und die Studenten müssen im Laufe eines Studienjahrs 60 Punkte sammeln. Die einzelnen Fakultäten werden in Universitäten vier großer Bereiche integriert: Soziale, medizinische, Natur- und technische Wissenschaften.
Neu ist auch die Möglichkeit zur Mobilität: Wer etwa ein Semester in einem Land studieren möchte, das die Bologna-Deklaration unterzeichnet hat, dem wird dieses Semester anerkannt.


Kein Minirock, kein Dekolleté in der Ökonomieschule

Miniröcke und tief dekolletierte Blusen sind bei den Schülerinnen der Ökonomieschule in Banja Luka in den Unterrichtsstunden verboten, die Schminke muss diskret sein, das Haar gebunden. Ab dem nächsten Schuljahr könnten auch andere Mittelschulen diese Bestimmungen übernehmen. Ein schriftliches Gesetz über Bekleidung in den Bildungsanstalten gibt es derzeit allerdings nicht. „Dem Kultusministerium wurden diesbezüglich keine Initiativen unterbreitet“, sagt Du¹ka Goliæ, Sprecherin des Ministeriums in der BiH-Entität „Republika Srpska“, „und wenn es dazu käme, würde man zuerst eine Umfrage unter Schülern, Eltern und Lehrern durchführen.“

Wenn junge Bosnier die Wahl hätten...
Arbeit zu haben und ohne Visum reisen zu dürfen, das sind die Prioritäten von bosnischen Jugendlichen - falls sie sich etwas wünschen dürften. In 75 BiH-Gemeinden haben insgesamt 6053 junge Leute an den Jugendwahlen „Stimme ab und wähle aus“ teilgenommen. Aus sieben Problemen konnten sie vier nach Priorität reihen. Veranstalter war die „Jugendinitiative für Wahlen“, die aus 15 Jugend-NGOs besteht.
Auf Platz 3 kam das Wohnungsproblem, es folgen die Modernisierung des Bildungssystems, der Beitritt Bosniens zur EU, eine stärkere Teilnahme Jugendlicher am politischen Leben sowie - auf dem letzten Platz - die Befriedigung von kulturellen Bedürfnissen.

-------- April 2006 --------

Ein Drittel der Jugend ist arbeitslos
Hauptmotiv für den Wunsch von 70 % der bosnischen Jugend, ins Ausland zu gehen, ist die Arbeitslosigkeit im eigenen Land. Tatsächlich sind heute 179.000 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 30 Jahren arbeitslos - das sind 34,9 Prozent! Für 19- bis 25jährige ist es offenbar besonders schwer, einen bezahlten Job zu finden. Da ist es kein großer Trost, dass es in Nachbarländern wie Kroaten (33 % arbeitslos) und Makedonien (30,8 %) auch nicht besser aussieht. Das Ministerium für Zivilangelegenheiten fühlt sich alarmiert, stellt Beschäftigungsprojekte in Aussicht und hofft auf die Hilfe von Donatoren.

Südosteuropa in der Schule
In Brüssel haben Vertreter des „Zentrums für Demokratie und Versöhnung auf dem Balkan“ (Sitz in Saloniki) vier neue Lehrbücher für das Schulfach Geschichte vorgestellt. Die Idee ist, dass diese Lehrbücher als Ergänzungsmaterial in den Grund- und Mittelschulen aller südosteuropäischen Länder verwendet werden sollen. Die vier Themen: Nationen und Staaten in Südosteuropa, Balkankriege, Osmanisches Reich, Zweiter Weltkrieg. Schüler/innen in Bosnien & Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Serbien & Montenegro, Kosovo, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Makedonien, Zypern und Türkei würden dann Wissen um ihre größere Heimat aus der gleichen Quelle schöpfen. Aus dem BiH-Ministerium für Zivilangelegenheiten in Sarajevo verlautet dazu: „An diesem Treffen haben wir nicht teilgenommen, und wir wissen darüber nichts.“

-------- März 2006 --------

20 Prozent der Mittelschüler machen keinen Abschluss
(Banja Luka) Rund 10.000 Mittelschüler der Republika Srpska - das sind 20 Prozent - machen keinen Schulabschluss. Für diese alarmierende Situation werden als Gründe genannt: Schlechte Noten (in 80 Prozent der Fälle), denn ein Schüler hat laut Gesetz nur einmal im Laufe seiner Schullaufbahn das Recht, eine Klasse zu wiederholen; sodann der Ausschluss des Schülers wegen unentschuldigter Fehltage und ungehörigen Benehmens. Auch schlechte Arbeitsgewohnheiten und Grundkenntnisse der Schüler spielen wohl eine Rolle, und in manchen Schulen soll das Lernpensum für viele einfach zu schwer sein.
„Viele von diesen zehntausend Schülern geraten in die Kriminalität, wenden sich negativen Dingen zu“, sagt der Vorsitzende des Elternausschusses, „aber schuldig sind nicht nur die Schüler, sondern auch viele Schulen, in denen ein autoritäres System und eine Schreckensherrschaft aufgebaut wurden.“
Die Direktorin des Gymnasiums von Banja Luka berichtet, dass von den 1280 Schülern ihres Instituts jährlich im Durchschnitt dreißig Schüler aus eigenem Antrieb die Ausbildung abbrechen.

OSZE: Eltern- und Kinderrat in Schulen muss stärker werden
(Sarajevo) Die in Bosnien engagierte OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) hat sich für 2006 vorgenommen, an der Stärkung des Eltern- und Kinderrats in den Schulen zu arbeiten, weil dadurch „das Bewusstsein der Wichtigkeit ihrer Teilnahme am Prozess der Verwaltung - insbesondere des Erlassens von Bescheiden - entwickelt wird“. Wörtlich heißt es im Programm für 2006: „Die Rolle der Bürger ist von besonderer Bedeutung für die OSZE, daher wird sie mit der Stärkung der demokratischen Verwaltung als eines Mittels der Förderung der heimischen Wirtschaft weitermachen. Auch die Arbeit mit jungen Leuten wird fortgesetzt, sie sollen die Wächter des Reformprozesses sein. Fortgesetzt wird auch die Arbeit auf dem Feld der Bildungsreform, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Kinder von Rückkehrern.“

Menschenhändler greifen nach Schulkindern

(Sarajevo) „Die Menschenhändler werben in Bosnien immer öfter Schulkinder an“, wurde bei einem Seminar über Menschenhandel in Sarajevo festgestellt: „Deshalb ist es nötig, im Rahmen der Lehrpläne und Ausbildungsprogramme auf dieses Problem hinzuweisen.“ Häufigste Formen der Ausnutzung sind sexueller Missbrauch, Zwangsarbeit, Pornografie. Nur das Entnehmen von Körperorganen als Form des Menschenhandels sei in BiH zum Glück noch nicht beobachtet worden, sagte der BiH-Koordinator für Menschenhandel und Bekämpfung der illegalen Immigration.

Eine Kommission für die Jugend
(Sarajevo) Die bosnische Jugend soll „koordiniert“ werden. Dafür wurde eine Kommission eingerichtet, mit dem Ziel, die Jugendpolitik in BiH zu fördern. Diese Kommission soll mit allen Regierungsinstitutionen in Partnerschaft stehen. Achtzehn Mitglieder sind vorgesehen: zehn Vertreter der NGO’s, acht Vertreter der Regierungsorganisationen. Der BiH-Ministerrat sieht diese Kommission nicht als Verbindung zwischen Jugendlichen und Behörden, sondern als eine Instanz, die - durch Vermittlung des Ministerrates - „die Lösung von brennenden Fragen der Jugendlichen in BiH initiiert“.